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Mittwoch, 9. November 2016

Bischofskonferenz in Eisenstadt: Starke Zeichen für die Ökumene


Die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz
vor der Haydnkirche in Eisenstadt
© Diözese Eisenstadt/Rupprecht
Bischof Zsifkovics zu Beginn der in Eisenstadt tagenden Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz: "Nicht Spaltung, sondern Begegnung aus der Kraft des Evangeliums" müsse die Zukunftsperspektive sein – Kardinal Schönborn und der evangelische Bischof Michael Bünker betonten das ökumenische Miteinander und appellierten für eine bundesweite Lösung bei der Mindestsicherung bzw. warnten vor Entsolidarisierung auf Kosten der Armen


Ganz im Zeichen der Ökumene steht die am Montag eröffnete Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz, die aktuell in Eisenstadt tagt. Am Dienstag fand in Rust ein ökumenischer Gottesdienst statt, gemeinsam abgehalten von der Bischofskonferenz, der Kirchenleitung der evangelischen Kirchen A.B. und H.B. und der evangelisch-methodistischen Kirche. Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics begrüßte Kardinal Christoph Schönborn, den evangelischen Bischof Michael Bünker, alle Gläubigen und Vertreter des öffentlichen Lebens sowie ausdrücklich und mehrsprachig – auch auf Kroatisch, Ungarisch und Romanes – die Vertreter der Volksgruppen. "Nicht Spaltung, sondern Begegnung und eine Einheit aus der Kraft des Evangeliums im glaubhaften christlichen Zeugnis müssen unsere Zukunftsperspektiven sein", so Bischof Zsifkovics am Beginn des ökumenischen Gottesdienstes.



Zsifkovics: Inflation der Gewalt als Ausdruck der verletzten Menschheit
Er sei dankbar, dass gerade hier im Burgenland das dialogische und freundschaftliche Miteinander, der Geist der Ökumene im Vordergrund stehe: Schließlich sei Pannonien jene Weltgegend im Herzen Europas, die in ihrer Geschichte "immer wieder mit besonderer Heftigkeit die Bruchlinien und Verletzungen der Menschheit erlebt hat und erlebt", wobei der Bischof ebenso an die Aufnahme der ungarischen Flüchtlinge im Zuge des Volksaufstandes von 1956 erinnerte wie an die Migrations- und Flüchtlingsbewegung, wie sie im Vorjahr über Nickelsdorf das Burgenland erreichte. "Was sind die tagtäglich wahrnehmbaren Formen weltweiter ökonomischer, sozialer, politischer, kultureller und militärischer Gewalt anderes als der Ausdruck einer im Kern verletzten Menschheit, deren Konkurs uns aus den Augen traumatisierter und hungriger Kinder in den Flüchtlingslagern und Slums dieses Planeten entgegenschaut?", so Bischof Zsifkovics zu Beginn der Versammlung.

Schönborn und Bünker: Gemeinsames vor Trennendes
Kardinal Christoph Schönborn, der als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz ebenso wiedergewählt wurde – Kardinal Schönborn steht seit 1998 an der Spitze der Bischofskonferenz – wie Peter Schipka als deren Generalsekretär, stellte am Dienstag in einer gemeinsam mit Bischof Michael Bünker in Eisenstadt abgehaltenen Pressekonferenz ebenfalls die Ökumene in den Mittelpunkt: "Wir haben Wege der Versöhnung gefunden. Das Gemeinsame ist stärker als das Trennende", so der Kardinal wörtlich. Bei allen Unterschieden zwischen katholischer und evangelischer Kirche habe sich ein ehemaliges und vergangenes "Gegeneinander" zu einem dialogischen "Miteinander" gewandelt, das gerade angesichts der ökumenischen Begegnung das Leben der Kirchen bereichert habe: "Wir arbeiten beharrlich an der Überwindung der letzten Hindernisse", so Kardinal Schönborn.

Österreich als Vorbild für Ökumene
Als Beispiel für das ökumenische Miteinander in Österreich nannte er etwa die weltweit einzigartige Zusammenarbeit bei der Ausbildung katholischer und evangelischer Religionslehrer an der Kirchlich Pädagogischen Hochschule Wien/Krems. Ökumene müsse auf alltäglicher Ebene und im tagtäglichen Handeln gelebt werden, und zwar "durch die Freude am Evangelium", betonte der Kardinal mit Verweis auf eine gemeinsame Erklärung der Kirchen.

Pluralität als Bereicherung
Bischof Michael Bünker betonte, dass "bestehende Unterschiede auch als Gaben verstanden werden können, die wir einander schenken". Unterschiede sollten und müssten nicht länger zu gegenseitigen Verurteilungen führen, vielmehr seien sie als auch und gerade als Chance und Bereicherung zu verstehen. Als große Gemeinsamkeit sieht er vor allem den Einsatz für "die Verletzlichen und Schwachen, die unsere Hilfe brauchen und für die wir unsere Stimme erheben". Die Kirchen könnten einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung, zur Überwindung von Gräben und Spaltungen und damit zu seinem friedlichen Zusammenleben in pluralistischen Gesellschaften leisten.
Österreich lebe auf vorbildhafte Weise die Ökumene, betonten Kardinal Schönborn und Bischof Bünker. So sei im Unterschied zu anderen Ländern die katholische Kirche bereits seit 1994 Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen und auch die Einbeziehung der orthodoxen Kirchen – was etwa beim Ökumenischen Sozialwort 2003 deutlich wurde – werde in Österreich vorbildhaft gelebt.

Appell für Bekämpfung von Armut
In einem gemeinsamen Appell sprachen sich Kardinal Schönborn und Bischof Bünker für eine bundesweit einheitliche Mindestsicherung aus. Schließlich gehe es darum, "die Armut zu bekämpfen und nicht die Armen außen vor zu lassen". Es brauche "gleiche Standards" in der Bekämpfung von Armut, sodass "Menschen in Not im Burgenland nicht anders behandelt werden als in Vorarlberg", betonte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. Bischof Michael Bünker warnte davor, einzelne Personengruppen gerade im Bereich der Armutsgefährdung gegeneinander auszuspielen: "Ich bin davon überzeugt, dass keine Mindestpensionistin deswegen mehr bekommt, nur weil Asylberechtigte weniger an Mindestsicherung bekommen." Hier werde eine "Neidhaltung" geschürt, "die unserer Gesellschaft nicht gut tut", appellierte der evangelische Bischof an die Verantwortung der Politik. Es sei nicht hinnehmbar, dass gerade die sozial Schwächsten weiter benachteiligt werden: "Vielleicht sollte man auch auf jene schauen, die über 50 Prozent des Vermögens in Österreich besitzen, wenn man soziale Gerechtigkeit in den Blick nimmt", so Bünker.

Ökumenischer Studientag und Martinsjahr

Anlässlich des Reformationsgedenkens findet erstmals auch ein Studientag der Bischöfe mit den Spitzen der lutherischen, reformierten und methodistischen Kirche im Rahmen der Versammlung der Bischofskonferenz statt, wobei die frühere evangelische Superintendentin Luise Müller und der katholische Theologe Jozef Niewiadomski als Referenten auftreten. Der Studientag wird vor allem Möglichkeiten zur Vertiefung der Zusammenarbeit der Kirchen im karitativ-diakonischen Bereich, in der Bildung und in der geistlichen Ökumene erörtern.

Die diesjährige Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz mit Eisenstadt als Tagungsort stellt sich bewusst in den Kontext des Martins-Jubiläumsjahres. So werden die Bischöfe am Donnerstag, um 19 Uhr, eine festliche Vigil im Dom feiern. Am Ende der Vollversammlung steht am Freitag, um 9 Uhr, ein Pontifikalamt im Martinsdom, dem der ungarische Primas, Kardinal Peter Erdő, vorstehen wird.

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