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Montag, 10. Oktober 2016

Bischof Zsifkovics: Mehrheit der Ungarn teilt Abschottungspolitik nicht

Flüchtlingsbischof Ägidius J. Zsifkovics während eines Rom-Aufenthalts im Interview mit Radio Vatikan: Das  gescheiterte Referendum in Ungarn sei eine „klare Botschaft, dass die Ungarn diesen Weg der Regierung so nicht mittragen“ 

Das gescheiterte Referendum in Ungarn über die Aufnahme von Flüchtlingen, das ein Mindestquorum von 50 Prozent der Wahlberechtigten nicht erreichte, habe eines deutlich gemacht: „Die Mehrheit der Ungarn teilt die Abschottungspolitik der Regierung gegen Flüchtlinge nicht". Davon zeigte sich Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Bereiche Flucht, Migration und Integration zuständig, im Interview mit Radio Vatikan überzeugt. Es sei falsch, den Ungarn das Stigma der Fremdenfeindlichkeit vorzuwerfen, betonte der Bischof, der sich aktuell mit einer kleinen Pilgergruppe in Rom aufhält und im Rahmen der Generalaudienz am Mittwoch mit Papst Franziskus ins Gespräch kam.

Bischof: Referendum ist keine Bestätigung der Politik Orbans
Bischof Zsifkovics, der auch Flüchtlings- und Integrationsbeauftragter der COMECE, der Kommission der Bischofskonferenzen der EU ist, zum Referendum in das an seine Eisenstädter Diözese angrenzende Ungarn, wo sich nur knapp 44 Prozent der Wahlberechtigten an dem Referendum beteiligten, allerdings mit einer 98-prozentigen Zustimmung zum politischen Kurs der Regierung von Viktor Orban: „Wir müssen die Gesamtschau haben und die Zahlen in Proportion zum Gesamten sehen", unterstreicht der Bischof. Die klare Botschaft des Referendums sei, dass „die Ungarn überwiegend diesen Weg so nicht mittragen". Eine Bestätigung der restriktiven Politik Orbans könne jedenfalls aus dem Referendum gerade nicht geschlossen werden, dies käme einer falschen Instrumentalisierung gleich.

Nur europäische Lösung kann nationalistische Abwärtsspirale stoppen
Zugleich mahnte Bischof Zsifkovics ein, die Sorgen der Österreicher mit Blick auf die Flüchtlingsbewegung und deren massivem Anstieg im vergangenen Jahr ernst zu nehmen: „Die Bevölkerung kann dem nicht zustimmen, dass vieles unkontrolliert geschieht. Da ist jetzt die ganze EU gefordert, Gesamtlösungen zu bringen, denn sonst werden wir in diese staatlichen, nationalistischen Lösungen immer mehr verwickelt werden, und es werden immer mehr Länder ihre eigenen Zäune hochziehen und die Menschen auseinanderdividieren.“

Offen und hilfsbereit, aber in kontrollierten Bahnen
Der Bischof sei davon überzeugt, dass „in Österreich die Grundhaltung der Offenheit und der Hilfsbereitschaft“ grundsätzlich gegeben sei. Zugleich sei es jedoch wichtig, den Umgang mit der Flüchtlingsbewegung in kontrollierte und kontrollierbare Bahnen zu bringen, so Bischof Zsifkovics.

Papst Franziskus dankt für Offenheit und Hilfsbereitschaft
Im Gespräch mit Papst Franziskus habe er gesagt, „dass wir im Flüchtlingsstrom als Diözese und Kirche in Österreich bemüht waren, vor allem auch an der Grenze zu helfen, alle unsere Kraft dort hineinzulegen, um die Menschen gut aufzunehmen, und dass bei uns die Grenzen noch nicht hochgezogen sind, sondern dass wir als Kirche offen bleiben wollen und den Menschen helfen wollen. Und da hat der Papst gesagt, er bittet darum, in diese Richtung weiter zu arbeiten. Und er dankt allen, die sich hier einsetzen“, berichtet Bischof Zsifkovics gegenüber Radio Vatikan.

Web-Link zum Radio Vatikan-Interview mit Bischof Ägidius J. Zsifkovics …

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