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Montag, 27. Juni 2016

Europabischof Zsifkovics zum "Brexit": "Europa darf nicht in Schockstarre verfallen"

Bischof Ägidius J. Zsifkovics, der die Österreichische Bischofskonferenz in Brüssel vertritt, bedauert die "Brexit"-Entscheidung der Briten, sieht darin aber zugleich einen Weckruf für einen neuen europäischen Humanismus, an dessen Verwirklichung wir alle gefordert seien: "Der europäische Traum wäre nur dann ausgeträumt, wenn der Einsatz für Menschenrechte an letzter Stelle einer europäischen Vision stünde"

"Die Mehrheitsentscheidung der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union, die als Ausdruck einer legitimen demokratischen Willensbildung selbstverständlich zu respektieren ist, ist ein bedauerlicher Rückschritt für das Zusammenwachsen Europas, für die Vertiefung und Stärkung der europäischen Identität und des Projekts einer europäischen Solidargemeinschaft. Zugleich darf Europa nicht in eine Schockstarre verfallen", so die erste Reaktion von Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, der die Österreichische Bischofskonferenz in der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft vertritt, auf den sogenannten "Brexit"-Entscheid.



Vertrauenskrise braucht Neuorientierung
Europa sei mit einer "tiefen Vertrauens- und Orientierungskrise" konfrontiert, die aus einem Bündel an Strukturproblemen resultiere: "Die Europäische Union, die als großartiges Friedensprojekt und mit Blick auf ihren Anspruch als Verfechterin von Menschenrechten, Demokratie und Freiheit den Friedensnobelpreis erhalten hat, muss wieder gemeinsame Lösungen und Antworten auf zentrale Fragen der Gegenwart wie der Flüchtlings- und Migrationskrise oder der Schaffung einer gerechten, den Menschen in den Mittelpunkt stellenden und nachhaltigen Gesellschafts- und Wirtschaftsform finden. Die Vertrauens- und Orientierungskrise in den europäischen Geist wird sich nur dann positiv als Chance transformieren lassen, wenn die Union jenen europäischen Humanismus entdeckt und wiederentdeckt, den Papst Franziskus gegenüber den Spitzen Europas eingemahnt hat", so der Europabischof.

Weckruf für "neuen europäischen Humanismus"
Die "Brexit"-Entscheidung sei somit ein eindringlicher Weckruf, ein überdeutliches Signal, sich dem Projekt eines neuen europäischen Humanismus als Antwort auf aktuelle Unsicherheiten, Ängste und Orientierungslosigkeit gemeinsam zu stellen. "Europa muss die Fähigkeit zur Integration und damit ein handlungsfähiges Bewusstsein zu einem solidarischen Miteinander wiedergewinnen, das in der Stärkung der verbindenden Identität der lebendigen Vielfalt und Dynamik Raum gibt. Europa muss die Fähigkeit zum Dialog im Sinne einer Kultur der Begegnung und des Gesprächs anstatt der Abwertung, Verzweckung oder Ausnutzung des jeweils anderen wiedergewinnen. Und schließlich muss Europa die Fähigkeit wiedergewinnen, etwas zu schaffen, etwas hervorzubringen, an Visionen und vernünftige, gemeinsame und vor allem menschliche Zukunftsperspektiven zu glauben und diese tatkräftig umzusetzen", betont Bischof Zsifkovics.

Bischof warnt vor Schrebergarten-Mentalität
Ausdrücklich warnt der Europabischof vor einem Erstarken von Schrebergarten-Mentalitäten und (Gruppen-)Egoismen: "Viele der großen Fragen unserer Zeit machen nicht an nationalen Grenzen halt. Es wäre eine Illusion und fatal zu glauben, in einer so eng miteinander verflochtenen Welt ließen sich europäische und in jedem Fall transnationale Probleme und Herausforderungen auf bloß nationaler Ebene lösen. Europäische Probleme können nur europäisch angegangen werden", unterstreicht der Bischof.

Alle gefordert, am europäischen Traum mitzuwirken
Der Traum von einem neuen europäischen Humanismus, von einem Europa mit der Kraft zur Integration, zum Dialog, zum Schöpferisch-Hervorbringenden sei mit dem Ausgang des britischen Referendums nicht ausgeträumt. "Der Traum von einem solchen europäischen Humanismus wird und darf sich nicht durch jene zu Grabe tragen lassen, die sich selbstherrlich zu seinen Totengräbern erklären. Der Traum ist allerdings dann gefährdet, wenn wir es alle miteinander nicht schaffen, an einem Europa zu arbeiten, das sich um seine Kinder kümmert, den Alten brüderlich beisteht, den Aufnahme und Schutzsuchenden hilft. Der Traum ist dann gefährdet, wenn wir es alle miteinander nicht schaffen, an einem Europa zu arbeiten, in dem die Rechte des Einzelnen gefördert und geschützt werden, ohne dabei die Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft außer Acht zu lassen. Arbeiten wir, wie der Papst so eindringlich appellierte, an der Verwirklichung jenes Traums von Europa, von dem man nicht sagen kann, dass sein Einsatz für die Menschenwürde und die Menschenrechte an letzter Stelle seiner Visionen stand." Wir alle, so der Bischof abschließend, seien gefordert, an einem solchen neuen europäischen Humanismus mitzuwirken.

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