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Montag, 25. April 2016

"Nein zum Grenzzaun": Internationale Anerkennung für Diözese Eisenstadt

© Gossmann/Diözese Eisenstadt
Dominik Orieschnig, Bischöflicher Sekretär von Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics und Pressesprecher der Diözese Eisenstadt, erläutert gegenüber „Radio Vatikan“, warum die Diözese die Errichtung von Anti-Migrations-Zäunen auf kirchlichem Grund als „Ding der Unmöglichkeit“ betrachtet: "Grenzzäune auf kirchlichen Gründen sind ein klarer Bruch mit der Botschaft der Kirche, ein Widerspruch zum Geist des Evangeliums" 

Eisenstadt – Die Entscheidung von Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, die Errichtung von Grenzzäunen auf kirchlichen Gründen nicht zuzulassen, findet internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung. "Radio Vatikan" würdigte die entschlossene Haltung der Diözese Eisenstadt mit einem eigenen Beitrag und Dominik Orieschnig, Bischöflicher Sekretär und Pressesprecher der Diözese nahm zu Motiven und Hintergründen der diözesanen Position ausführlich Stellung: "Anti-Migrations-Zäune auf kirchlichen Grundstücken zuzulassen ist ein Widerspruch in sich, nachdem die Diözese Eisenstadt so viele Flüchtlinge aufgenommen hat", so Orieschnig.


Ein derartiges Vorhaben sei ein "klarer Bruch mit der Botschaft der Kirche", "ein Widerspruch mit dem Geist des Evangeliums". Gerade die Diözese Eisenstadt habe im vergangenen Jahr und damit auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle zahlreichen Schutzsuchenden, darunter vielen Kindern, Frauen, älteren und geschwächten Menschen, Hilfe, Solidarität und Betreuung zukommen lassen. "Es wäre jetzt in dieser Situation eigentlich pervers, auf kirchlichen Gründen einen Grenzzaun zuzulassen", betonte Orieschnig.

"Kein Rückschritt in Richtung Eiserner Vorhang"Dies umso mehr, als die Diözese über Jahrzehnte unmittelbar vom "Schatten des Eisernen Vorhangs" betroffen war: Bischof Zsifkovics selbst ist wie viele Menschen im Burgenland neben dem Eisernen Vorhang aufgewachsen und weiß genau, "was der Fall des Eisernen Vorhangs an Aufbruchsstimmung und Freiheit für die Menschen bedeutet hat. Jetzt wieder diesen Rückschritt zu machen und Zäune zu setzen, ist ein Ding der Unmöglichkeit", so der Pressesprecher der Diözese gegenüber "Radio Vatikan".

Gerade in dem von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, das zeitlich mit dem in der Martinsdiözese Eisenstadt besonders gefeierten Jubiläumsjahr "1.700 Jahre heiliger Martin" zusammenfällt, wäre es ein fatales Zeichen, Zäune auf kirchlichen Gründen aufzurichten, wo es doch gelte, "Menschen die Hand zu reichen, Grenzen zu überwinden", wie der Papst auf seinem Besuch des Flüchtlingslagers auf Lesbos einmal mehr in aller Klarheit und Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht hat.

Dankschreiben "im Namen der Humanität"
Die Entscheidung der Diözese habe zu zahlreichen Sympathiekundgebungen geführt: Orieschnig nannte exemplarisch ein Dankesschreiben eines vor Jahren aus der Kirche ausgetretenen Bürgers, der sich ausdrücklich "im Namen der Humanität und Mitmenschlichkeit" bedankte. Andererseits habe es auch einige "wütende Rückmeldungen von sogenannten Katholiken" gegeben, "die sich in dieser Sache äußerst unchristlich ausgedrückt haben".

Einmal mehr zeige sich somit die Flüchtlingskrise als eine "Feuerprobe für das Christentum", da sie offenlege, "wo das Christentum zu einem nackten Taufschein-Katholizismus oder zu einem nackten Kirchenbeitrags-Katholizismus verkommen" sei und "wo es eine wirklich christliche Haltung" zeige, die bereits ist, auch in schwierigen Situationen Rückgrat an den Tag zu legen und ein Ethos der christlichen Nächstenliebe, der Solidarität und Mitmenschlichkeit zu leben.

Abbau von Ängsten durch konkrete Erfahrung
Das bedeute nicht, dass die Diözese nicht Verständnis für Ängste und Sorgen der Menschen habe. Jedoch wäre es "kein christliches Zeichen, wenn man auf diese Ängste mit Zaun und Mauern reagieren würde. Es muss andere christliche Antworten geben", so Orieschnig. Wenn Menschen anderen Menschen im Konkreten, von Angesicht zu Angesicht begegnen, wenn Menschen ein Gesicht und einen Namen erhalten und aus der abstrakten, mehr Desorientierung und Bedrohung anstatt Aufklärung leistenden Metapher eines "Flüchtlingsstroms" in eine konkrete Situation der Mitmenschlichkeit kommen, zeige sich, dass sich viele Ängste rasch verflüchtigen. "Es ist ein Weg der kleinen Schritte, ein Weg der schwierigen Schritte. Es gibt keinen einfachen Weg und keinen schnellen, dieser Flüchtlingskrise zu begegnen", so der Bischöfliche Sekretär der Diözese Eisenstadt.

Weitere Informationen und Hintergründe zum Thema siehe www.martinsfest.at

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