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Dienstag, 3. November 2015

Zsifkovics neuer Flüchtlings-Koordinator der EU-Bischöfe

Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics von der EU-Bischofskommission ComECE zum neuen Koordinator für Flüchtlingsfragen innerhalb der Europäischen Union ernannt - Bischof Zsifkovics: "Die Herausforderungen der Flüchtlingsbewegung lassen sich nur als gesamteuropäische, gemeinsame Aufgabe bewältigen, wofür es faire und gerechte Lösungen auf europäischer Ebene bedarf"

Bischof Ägidius J. Zsifkovics wurde auf der diesjährigen, am Freitag zu Ende gegangenen Herbstvollversammlung der
EU-Bischofskommission ComECE in Paris zum neuen Koordinator für Flüchtlingsfragen innerhalb der Europäischen Union ernannt. Der Eisenstädter Diözesanbischof, der zugleich Europabischof der österreichischen Bischofskonferenz und deren Vertreter bei der ComECE ist, fungiert damit als zentrale Ansprechperson für kirchliche Positionen und Aktivitäten in der wohl brisantesten und dringlichsten politischen Frage auf europäischer Ebene.

Europäische Flüchtlingspolitik gefordert
"Die Herausforderungen der Flüchtlingsbewegung lassen sich nur als gesamteuropäische, gemeinsame Aufgabe bewältigen. Dafür braucht es wiederum faire, gerechte und solidarische Lösungen auf europäischer Ebene, auch im Hinblick auf die Frage der Verteilung von Flüchtlingen und der Etablierung von gemeinsamen, humanen Asylstandards", so Bischof Zsifkovics. Die Mitgliedsstaaten müssten sich rasch zu einer Europäischen Flüchtlingspolitik durchringen, wenn die EU weiterhin den Weg eines Solidar-, Werte- und Friedensprojekts auf der Grundlage der Menschenwürde gehen will, so der neue Flüchtlingskoordinator der Europäischen Bischofskommission.

Zsifkovics: Sprachrohr der Kirche im europäischen Flüchtlings-Diskurs
Die Flüchtlingsfrage bildete neben dem Einsatz für den Klimaschutz das zentrale Thema der ComECE-Herbstvollversammlung, deren Grundappell lautete: "Wir können mehr tun als wir denken". Die Bischöfe seien sich der Verantwortung bewusst, die die Kirche hinsichtlich der Flüchtlingsfrage habe, so Bischof Zsifkovics, der in seiner neuen Funktion die Erarbeitung von Vorschlägen, Positionen und Problemlösungsstrategien für ein gemeinsames, europaweit koordiniertes Vorgehen der Kirche mit Blick auf die Flüchtlingskrise leiten wird. Über diese Koordinierungsfunktion hinaus wird der Eisenstädter Diözesanbischof zugleich als Sprachrohr der Kirche im politischen Diskurs zur Flüchtlingsfrage auf europäischer Ebene agieren und in der Öffentlichkeit Stellung beziehen.

Regierungen müssen nationale Differenzen überwinden
"Die Kirche bemüht sich in allen Ländern um Hilfe für Flüchtlinge und die Achtung der Menschenwürde und der Menschenrechte", betonte Bischof Zsifkovics. Den Vorwurf, das kirchliche Engagement für Flüchtlinge sei vor allem in Osteuropa zuweilen bescheiden und mangelhaft, wies der Europabischof der österreichischen Bischofskonferenz mit Verweis auf die Berichte der Bischöfe aus den einzelnen Mitgliedsländern zurück. Zugleich appellierte er an die 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, nationale Differenzen in der Flüchtlingsfrage zu überwinden und solidarische und gemeinsame Antworten auf die Not der tausenden, in Europa Schutz suchenden Kinder, Frauen und Männer zu finden.

Ursachen der Flüchtlingsbewegung in den Blick nehmen
"Die Not der Menschen muss uns alle angehen. Nicht Gleichgültigkeit, Indifferenz und Wegschauen, sondern Mit-Menschlichkeit, die sich bei so vielen Europäern in Form von Solidarität und Hilfsbereitschaft für Schutz suchende Menschen auf der Flucht ausdrückt, geben die Richtung vor für ein Europa als Werte- und Solidargemeinschaft", betonte Bischof Zsifkovics. Es gelte, diese positiven Kräfte in der Europäischen Union zu stärken, zugleich aber auch eindeutig Position zu beziehen gegen Tendenzen der Fremdenfeindlichkeit und der Anfeindung gegenüber Menschen auf der Flucht. Europa müsse sich intensiver den Ursachen der Flüchtlingsbewegung zuwenden, vor allem was das Engagement für ein Ende des Krieges in Syrien betrifft.

Erarbeitung eines Positionspapiers
Die erste Tätigkeit von Diözesanbischof Zsifkovics in seiner Funktion als neuer Flüchtlings-Koordinator der EU-Bischofskommission betrifft die Verfassung eines Schreibens, das die Position der Bischöfe zur Sprache bringen wird und sich an kirchliche und politische Entscheidungs- und Verantwortungsträger der Europäischen Union und der Mitgliedsstaaten richten wird. Darin soll nochmals auf die Notwendigkeit einer gesamteuropäischen solidarischen und fairen Lösung der Flüchtlingsfrage und einer koordinierten Integrationspolitik verwiesen werden.

Klimaschutz: "Brauchen einfacheren Lebensstil"
Das zweite zentrale Thema der ComECE-Herbstvollverstammlung, der Einsatz für den Klimaschutz, lasse sich laut Bischof Zsifkovics mit einer Grundüberzeugung zusammenfassen und auf den Punkt bringen: "Wir brauchen einen einfacheren Lebensstil". Die Kirche müsse eine Vorbildwirkung im Bereich der Schöpfungsverantwortung einnehmen und könne einen wesentlichen Beitrag zu einer ganzheitlichen Beziehung zur Natur leisten, die immer auch die ethische Dimension der mitmenschlichen Beziehung und die spirituelle Dimension des Bezugs zum Schöpfergott einschließe, so Bischof Ägidius J. Zsifkovics.

Die ComECE
Die ComECE ist die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft und besteht aus den delegierten Bischöfen der katholischen Bischofskonferenzen der 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Die österreichische Bischofskonferenz ist durch Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics vertreten. Zu den Aufgaben der ComECE gehört u.a. die Repräsentation der kirchlichen Positionen auf europäischer Ebene, die Analyse und Beobachtung der politischen Prozesse der Europäischen Union, der kontinuierliche, offene und transparente Dialog mit den EU-Institutionen, die Mitgestaltung an einer europäischen Werte- und Friedensgemeinschaft sowie die Unterstützung konkreter Initiativen zur Lösung sozialer und ethischer Probleme. Zu den grundlegenden Themenbereichen der EU-Bischofskommission gehören u.a. die Bereiche Migration und Asyl, Forschung, Gesundheit und Bioethik, Ökologie und Nachhaltigkeit, Grundrechte, Bildung, interkultureller Dialog, Sozial- und Wirtschaftsagenden, Religionsfreiheit sowie die außenpolitische Positionierung der EU.

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