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Donnerstag, 8. Oktober 2015

30 Jahre Telefonseelsorge Burgenland

Unter der Notrufnummer 142 ist die auf ökumenischer Basis in Eisenstadt agierende TelefonSeelsorge Burgenland rund um die Uhr, an 356 Tagen im Jahr zum Nulltarif, absolut vertraulich und verschwiegen erreichbar – 70 Mitarbeiter widmen sich rund 33.000 Anrufen pro Jahr

Die TelefonSeelsorge Burgenland feiert ihr 30-jähriges Bestandsjubiläum. Was am 31. Oktober 1985 in Eisenstadt auf ökumenischer Basis der evangelischen und katholischen Kirche mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begann, ist längst als professionelles und nicht wegzudenkendes Beratungsangebot im Burgenland etabliert. Heute stehen rund 70 Beraterinnen und Berater zur Verfügung, die sich etwa 33.000 Anrufen pro Jahr widmen. Die Notrufnummer 142 ist an 365 Tagen im Jahr, und zwar rund um die Uhr, zum Nulltarif erreichbar, die Gespräche basieren auf den Grundsätzen Vertraulichkeit, Anonymität und Verschwiegenheit sowie der Offenheit und Wertschätzung allen Anrufenden gegenüber.

Anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums der TelefonSeelsorge und OnlineBeratung Burgenland findet am Freitag, dem 30. Oktober 2015, im Eisenstädter Haus der Begegnung von 9.30 bis 12.30 Uhr eine Festveranstaltung statt. Als Vortragende konnten der renommierte Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Prim. Dr. Gerhard Fruhwürth (Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt), und die ebenso erfahrene wie hochgeschätzte Psychotherapeutin und Diplomsupervisorin Eva Maria Melchart gewonnen werden. Beide werden die unschätzbare Bedeutung eines auf Vertrauen und Vertraulichkeit, auf Wertschätzung und vorurteilsfreie Offenheit basierenden Gesprächsangebots fachkundig zur Sprache bringen.

Bischof: TelefonSeelsorge als "Martinstat"
"Wo einem Menschen zugehört wird, wo ihm der Mantel des Zuspruchs sanft um die Schultern gelegt wird in einsamen Momenten, in denen ihm das Leben kalt entgegen bläst, dort findet ihrem tiefsten Wesen nach die christliche Tat des hl. Martin statt", so Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, der den Verantwortlichen sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TelefonSeelsorge und des OnlineDienstes herzlich dankte: "Indem Sie zuhören, geben Sie etwas von sich selbst und helfen dabei anderen, ein Stück weit ihr Kreuz zu tragen", würdigte der Bischof diesen seelsorglichen Dienst.

Superintendent: Beispielhaftes ökumenisches Miteinander
"Die TelefonSeelsorge steht allen zur Verfügung, die Probleme und Sorgen haben", sagte Manfred Koch, Superintendent der evangelischen Diözese Burgenland, der das seit 30 Jahren beispielhafte "ökumenischen Miteinander" des Beratungsangebots besonders hervorhob. Die TelefonSeelsorge ermögliche es, dass "Menschen in Not und Krisen einen Gesprächspartner finden, der ihnen wirklich zuhört und zur Verfügung steht, sie zum Leben ermutigt und ihnen so zur Bewältigung ihrer Situation hilft", ergänzte der Eisenstädter Altbischof Paul Iby. Und Bischof Zsifkovics fügte hinzu: "Hier findet echte Begegnung und Aussprache statt, hier werden Rat, Trost und Hilfe erfahrbar, sei es in den kleinen oder großen Sorgen des Alltags; sei es in schweren existentiellen Nöten oder dort, wo Menschen vom sozialen Kältetod bedroht sind."

Die Anruferinnen und Anrufer, die die Notrufnummer 142 wählen und Gesprächspartner in akuten Notlagen, Begleiter in schwierigen Lebenssituationen – auch über einen längeren Zeitraum hinweg – sowie vorurteilslose, verständnisvolle Zuhörer finden, kommen aus allen Gesellschafts-, Alters- und Berufsgruppen. Die am häufigsten genannten Themen sind Einsamkeit, psychische Störungen und Probleme sowie Beziehungsprobleme.

"Plötzlich läutete pausenlos das Telefon"
"Kurz nach der Jahrtausendwende veränderte sich die Klientel der TelefonSeelsorge. Kinder und Jugendliche, die sich bis dato nicht an uns gewandt hatten, meldeten sich auf einmal", berichtete Franziska Weidinger, seit 1999 Leiterin (seitens der katholischen Kirche) der TelefonSeelsorge und Onlineberatung der katholischen und evangelischen Kirche des Burgenlandes. Einen wesentlichen Grund sieht die ausgebildete Psychotherapeutin und langjährige ORF-Journalistin darin, dass "Kinder und Jugendliche plötzlich Besitzer von Handys geworden waren": "
Es läutete pausenlos, oft mehr als 100-mal am Tag." Neben der zu bewältigenden Quantität war für die Mitarbeiter der TelefonSeelsorge vor allem die Sensibilität für das "Dahinter" der jugendlichen Sprache besonders herausfordernd.

Alle Berater der TelefonSeelsorge durchlaufen nach einem Bewerbungsverfahren eine neun Monate dauernde, 160 Stunden umfassende Ausbildung in psychotherapeutischer Gesprächsführung. Sie leisten ihren Dienst ehrenamtlich, arbeiten im Verborgenen, da sie über ihre Tätigkeit in der Öffentlichkeit nicht sprechen dürfen, und vollbringen damit einen Dienst am Not leidenden Nächste, der ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Belastbarkeit, Reflexionsfähigkeit und psychische Stabilität voraussetzt.

"Bei Tag und Nacht mit voller Präsenz engagiert"
Petra Lunzer, die seitens der evangelischen Kirche die Leitung der TelefonSeelsorge und OnlineBeratung Burgenland inne hat: "Am meisten beeindruckt mich, mit welch intensivem persönlichen Zeit- und Energieeinsatz unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagiert und tätig sind. Ob bei Tag oder bei Nacht – hier bringen sich Menschen mit all ihrer Präsenz, ihrem Mitgefühl und ihrer großen Offenheit in der Begegnung von Mensch zu Mensch ein. Und das über viele, viele Jahre hinweg in großer Bescheidenheit und Einsatzfreude." Unter den zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im September für ihr Engagement gewürdigt wurden, sind "so viele liebevolle Menschen, die seit 30 Jahren – also seit Beginn! –, seit 25 oder 15 Jahren ihren Dienst am Telefon bzw. seit 2006 auch online versehen, was gerade angesichts der heutigen beruflichen, gesellschaftlichen und ökonomischen Anforderungen höchst beeindruckend ist. Davor habe ich tiefen Respekt und Anerkennung", betonte Lunzer.

Zu Beginn der TelefonSeelsorge Burgenland war der Dienst nur von 8 bis 12 und von 17 bis 23 Uhr erreichbar, und zwar zunächst kostenpflichtig unter der Telefonnummer 02682/1770. Montagabend wurde zudem Beratung in kroatischer Sprache angeboten. Seit 1.April 1999 ist die TelefonSeelsorge Burgenland mit der offiziellen Notrufnummer 142 rund um die Uhr und zum Nulltarif erreichbar. Seit Dezember 2006 wird neben der Telefonberatung auch eine Onlineberatung angeboten. Insgesamt engagieren sich in der TelefonSeelsorge drei hauptamtliche und rund 70 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Regelmäßige Supervisionen und Fortbildungen unterstützen die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit.

Die TelefonSeelsorge Burgenland nahm am 1.Oktober 1985 mit damals 20 Mitarbeitern ihren Dienst auf. In diesem Jahr gab es 227 Anrufer, im folgenden bereits 920 und ab 1987 immer über 1.000 Anrufe. Die 10.000-Marke wurde im Jahr 2002 mit 11.602 Anrufen übersprungen, im Jahr 2008 waren es 27.622, im Folgejahr 26.263 Anrufe. Im Jahr 2014 wurde mehr als 33.000 Mal die Nummer 142 im Burgenland gewählt.
44 Prozent aller Themen entfallen auf persönliche Probleme wie Einsamkeit, physische und /oder psychische Krankheiten, Trauer und ähnliches mehr. 31 Prozent lassen sich in die Kategorie soziales Umfeld einordnen, also etwa materielle bzw. finanzielle Fragen, Probleme in der Arbeitswelt, Schule oder Fachauskünfte. Beziehungsprobleme in der Partnerschaft und/oder Familie machen etwa 17 Prozent der Anrufmotive aus, weitere sieben Prozent entfallen auf Suchterkrankungen und rund ein Prozent auf Suizidabsichten.
In Österreich wurde die erste TelefonSeelsorge-Stelle 1966 in Linz gegründet, ein Jahr später folgten Wien und im Anschluss die weiteren Bundesländer. In jeder österreichischen Landeshauptstadt gibt es eine TelefonSeelsorge-Stelle mit drei bis fünf hauptamtlichen sowie je rund 70 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Ausnahme ist Wien mit rund 150 Ehrenamtlichen. Die TelefonSeelsorge wird in Österreich zumeist von kirchlichen Stellen getragen, und zwar auf ökumenischer Basis. Weltweit hat die TelefonSeelsorge mehr als 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einzelnen Stellen sind im internationalen Dachverband IFOTES (International Federation of Telephonic Emergency Services) gebündelt, der alle zwei bis drei Jahre einen Fachkongress mit 900 bis 1.000 Teilnehmern veranstaltet. Österreich war im Jahr 2010 Gastgeberland einer solchen Tagung.





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