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Diözese Eisenstadt - Aktuell

Dienstag, 22. Dezember 2015

Gottesdienste Weihnachten/Jahreswechsel im Martinsdom


Donnerstag, 24.12.2015 – Heiliger Abend
16.00 Uhr: Krippenandacht mit Krippenspiel der Kinder

Hochfest der Geburt des Herrn - Weihnachten
22.15 Uhr: Turmblasen
23.00 Uhr: Christmette mit Diözesanbischof Zsifkovics

Freitag, 25.12.2015 – Christtag
07.00 Uhr: Hirtenmesse in der Familienkapelle mit P. Erich Bernhard
09.00 Uhr: Pontifikalamt mit Diözesanbischof Zsifkovics
11.00 Uhr: Hl. Messe mit P. Erich Bernhard
16.30 Uhr: Pontifikalvesper mit Diözesanbischof Zsifkovics
18.00 Uhr: Hl. Messe mit P. Achim Bayer

Samstag, 26.12.2015 – Hl. Stephanus
09.00 Uhr: Hl. Messe mit P. Achim Bayer
11.00 Uhr: Hl. Messe mit P. Bruno Meusburger
18.00 Uhr: Hl. Messe mit P. Bruno Meusburger

Sonntag, 27.12.2015 – Fest der Heiligen Familie
09.00 Uhr: Hl. Messe mit P. Bruno Meusburger
11.00 Uhr: Hl. Messe mit P. Achim Bayer
18.00 Uhr: Hl. Messe mit P. Achim Bayer
Nach allen hl. Messen Einzelsegnung für Familien

Donnerstag, 31.12.2015 – Silvester
18.00 Uhr: Hl. Messe zum Jahresschluss
23.00 Uhr: Betend ins Neue Jahr

Freitag, 01.01.2016 – Neujahr, Hochfest der Gottesmutter, Weltfriedenstag
09.00 Uhr: Hl. Messe
11.00 Uhr: Hl. Messe
18.00 Uhr: Hl. Messe mit Diözesanbischof Zsifkovics

Mittwoch, 06.01.2016 – Erscheinung des Herrn
09.00 Uhr: Hl. Messe mit Diözesanbischof Zsifkovics
11.00 Uhr: Hl. Messe
18.00 Uhr: Hl. Messe

Europabischof als Brückenbauer zwischen vielen Ufern

Mosaik des Pantokrators im Kloster Chora
(c) Dominik Orieschnig

Eisenstädter Bischof nutzt Einladung von Bartholomaios I. zur Begegnung mit orthodoxen Christen, kirchlichen Einrichtungen und Vertretern anderer Religionen in Istanbul – Besuch historischer und heiliger Stätten des Ökumenischen Patriarchates und der ganzen Christenheit – Zsifkovics: Wiederöffnung der orthodoxen Hochschule Chalki als "Gradmesser für künftige Verbesserung der Religionsfreiheit in der Türkei".

Konstantinopel (Istanbul) – Der Bosporus als Tor zwischen Ost und West offenbart eine gesellschaftliche Vielfalt ungewohnten Ausmaßes. Bischof Ägidius Zsifkovics hat bei seinem vor kurzem zu Ende gegangenen Arbeitsbesuch beim Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel keine Gelegenheit ausgelassen, um unter kundiger Führung des Metropoliten von Austria, Erzbischof Arsenios Kardamakis, Menschen zu treffen, Gespräche zu führen und auf diese Weise Brücken zu schlagen, die scheinbar lose Vielfalten zu einem gedanklichen Ganzen verbinden können.

Das Mosaik als soziales Strukturprinzip
"Managing the Mosaic" war mit Blick darauf kein unpassendes Motto eines Neujahrsempfangs, den der Bürgermeister des prosperierenden Istanbuler Stadtteils Sariyer, Sücrü Genc, für die Istanbuler internationale Community gab, darunter – neben dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. mit Bischof Zsifkovics und Metropolit Arsenios als Begleiter – die Oberhäupter der in der Stadt vertreten Kirchen und Religionen. Denn eine bunte Vielfalt an Kulturen, Meinungen, Bildung und Religionen in einer Gesellschaft so zu vereinen, dass sich ein erbauliches Gesamtbild ergibt, ist eine hohe politische Kunst, die an jene weltberühmten Meisterwerke byzantinischer Mosaikkunst im stillgelegten Kloster vom Heiligen Erretter in Chora heranrührt, die die beiden Bischöfe aus Österreich tags darauf bestaunen konnten.

Religion und Säkularismus, Christen und Muslime, Arme und Reiche, aber auch Burgenländer und Steirer als Steinchen des Mosaiks
Der Besuch der Hagia Sophia machte einiges deutlich an der aus allergrößten geschichtlichen Brüchen erwachsenen mosaikhaften baulichen wie sozialen Gesamtkonstellation Istanbuls: Als Krönungskirche der christlichen byzantinischen Kaiser (seit 641) und Kathedrale des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel von außerordentlich hoher Bedeutung für die orthodoxe Christenheit und den meisten orthodoxen Christen noch heute ein großes Heiligtum, hat der Bau die letzten fünf Jahrhunderte als Moschee gedient, um schließlich in der säkularen Republik Türkei zum Museum umfunktioniert zu werden. Dementsprechend mosaikhaft sind auch die verschiedensten politischen Begierden und Ansprüche, die sich heute um das Bauwerk ranken.
Doch auch die christliche Ordenswelt des Westens hat dem großen Mosaik Istanbul einige Steinchen eingesetzt. Im St. Georgs-Kolleg und dem gegenüberliegenden St. Georgs-Krankenhaus in Istanbul trafen Bischof Zsifkovics, Metropolit Arsenios und Abt Paisios Jung, der dem ersten orthodoxen Kloster in Österreich vorstehen wird, auf Schwester Heliodora, Oberin der Schwesterngemeinschaft am Österreichischen St. Georgs-Krankenhaus und gebürtige Burgenländerin, sowie auf Pater Alexander Jernej CM, den Superior der Österreichischen St. Georgs-Gemeinde in Istanbul, einen gebürtigen Steirer. Hoch über den Dächern der Stadt in den Räumlichkeiten der Schwesternkommunität besprach man sich bei türkischem Kaffee und Kuchen, tauschte Anliegen und Neuigkeiten aus und bestellte Grüße in die österreichische Heimat. Bischof Zsifkovics dankte den Ordensleuten für ihren treuen Dienst am St. Georgs-Kolleg und am Krankenhaus, der gerade fern der Heimat, noch dazu in schwierigen Zeiten des Umbruchs und des Fanatismus ein besonders wertvolles christliches Zeugnis darstelle.

Bischof Ägidius Zsifkovics mit Metropolit Arsenios, Abt Paisios und Bischofssekretär Dr. Dominik Orieschnig im Kreis der Schwesterngemeinschaft am Österreichischen St. Georgs-Krankenhaus in Istanbul
© Dominik Orieschnig
Im Gespräch mit Pater Superior Alexander Jernej CM, dem Leiter der Österreichischen St. Georgs-Gemeinde
© Dominik Orieschnig
Europabischof Zsifkovics: Seminar von Chalki als "Gradmesser für Religionsfreiheit" in der Türkei
Ein Höhepunkt der Istanbul-Reise von Bischof Zsifkovics war der Besuch des Seminars auf Chalki, einer der Prinzeninseln im Marmarameer. Bis zu seiner Schließung durch den türkischen Staat im Jahre 1971 war es die wichtigste christliche Theologische Hochschule des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Das Seminar wurde 1971 durch ein türkisches Gesetz, welches den Betrieb von privaten Universitäten verbietet, geschlossen. Seit damals fristet das auf der Inselkuppe verträumt thronende, ringsum bis zum Meer hinab von Wäldern umgebene Gebäude ein Dornröschendasein.

Die Türkei strebt allerdings nach eigenen Angaben eine Verbesserung der rechtlichen Situation der religiösen Minderheiten im Land an. Seit der Ernennung des Metropoliten von Bursa, Pater Elpidophoros Lambrinidis, zum neuen Abt des Dreifaltigkeitsklosters auf Chalki, zeichnet sich zumindest vorsichtig eine Wiedereröffnung der Hochschule ab. Abt Elpidophoros, ein Theologieprofessor mit stechendem Blick und akzentfreiem Deutsch, pflegt äußerst gute und konstruktive Beziehungen zu den türkischen Behörden und ist zuversichtlich, dass es für Chalki einen neuen Frühling geben könnte. Die vor kurzem erfolgte Rückgabe von Land an die Stiftung des Klosters der heiligen Trinität darf jedenfalls als positives Zeichen gewertet werden. "Dass eine Kirche oder Religion ihre Priester auch ausbilden können muss, ist in einem modernen europäischen Verständnis unverhandelbarer Teil von Religionsfreiheit", so Bischof Zsifkovics im Gespräch mit Metropolit Elpidophoros – "insofern ist die Frage, wann das Seminar wieder eröffnet werden kann, ein wichtiger Gradmesser für die Religionsfreiheit im Land".


Byzanz – Konstantinopel – Istanbul
Im Jahr 660 v. Chr. unter dem Namen Byzantion gegründet, kann das heutige Istanbul auf eine 2600-jährige Geschichte zurückblicken. Fast 1600 Jahre lang diente die Stadt nacheinander dem Römischen, dem Byzantinischen und dem Osmanischen Reich als Hauptstadt. Als Sitz des ökumenischen Patriarchen und – bis 1924 – des osmanischen Kalifats war Istanbul jahrhundertelang ein bedeutendes Zentrum des orthodoxen Christentums und des sunnitischen Islams. Die Stadt zählt heute knapp 20 Millionen Einwohner. 

Hagia Sophia
Als Kuppelbasilika im 6. Jahrhundert n. Chr. errichtet, ist die Hagia Sophia das letzte große Bauwerk der Spätantike. Sie war die Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, religiöser Mittelpunkt der Orthodoxie und ist heute ein Wahrzeichen Istanbuls. Das Gebäude diente von 1453 (nach der Osmanischen Eroberung Konstantinopels) bis 1931 als Moschee, wurde dann säkularisiert und 1935 als Museum eröffnet. Mehrmals in der türkischen Geschichte ist die Rückumwandlung in eine Moschee diskutiert worden. Im Rahmen der Eröffnungsfeier einer neuen Ausstellung in der Hagia Sophia, wurde am 10. April 2015, dem Karfreitag des Orthodoxen Christenfestes, erstmals nach 85 Jahren, wieder Suren aus dem Koran von einem Imam rezitiert. An der Feierlichkeit nahmen auch ranghohe Regierungsmitglieder teil. Teile der türkischen Opposition sahen in dieser Zeremonie einen weiteren Vorstoß der Regierung, die Hagia Sophia wieder in eine Moschee zu wandeln. 

Seminar (Theologische Hochschule) von Chalki
1999 besuchte der US-Präsident Bill Clinton Chalki und forderte den türkischen Staatspräsidenten Süleyman Demirel auf, die Hochschule wieder öffnen zu lassen. Im Oktober 1998 haben Senat und Repräsentantenhaus des US-Kongresses Resolutionen verabschiedet, in denen die Wiedereröffnung von Chalki unterstützt wurde. Die Europäische Union hat in den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei das Thema der Wiedereröffnung der Hochschule im Zusammenhang mit Behinderungen der freien Religionsausübung der Christen in der Türkei auf die Liste der Forderungen an den Beitrittskandidaten Republik Türkei gesetzt. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte kritisiert die Schließung des Seminars und sieht diese bis heute als Hemmnis für einen EU-Beitritt der Republik Türkei.

Montag, 21. Dezember 2015

Besuch am Bosporus eröffnet der Ökumene neue Horizonte

Audienz im Phanar
(v.l.n.r.: Abt Paisios,
Pressesprecher Dr. Dominik Orieschnig,
Seine Allheiligkeit Bartholomaios I. ,
Bischof Ägidius Zsifkovics,
Metropolit Arsenios von Austria)
© Dominik Orieschnig
Eisenstädter Bischof folgt persönlicher Einladung Bartholomaios I.’ nach Istanbul und trifft den Patriarchen zu intensiven Gesprächen – Bartholomäus I. lobt "große und konkrete Schritte" der Ökumene in Österreich und macht großzügige Gründerspende für den Bau des von Bischof Zsifkovics ermöglichten ersten Orthodoxen Klosters in Österreich.

Konstantinopel (Istanbul) – Nachdem der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., im November 2014 mit der Diözese Eisenstadt das Martinsfest gefeiert hatte, erfolgte nun der Gegenbesuch des Eisenstädter Bischofs im Phanar, dem Amtssitz des Patriarchen und Ehrenoberhaupts von 300 Millionen orthodoxen Christen. In Begleitung des Metropoliten von Austria und Exarchen von Ungarn und Mitteleuropa, Erzbischof Arsenios Kardamakis, besuchte Bischof Ägidius Zsifkovics in Istanbul bedeutende Stätten des Christentums und führte mit dem Ökumenischen Patriarchen intensive Gespräche über Themen, die ganz Europa und beide Kirchen auf ihrem Weg der Annäherung bewegen. Dass die Begegnung beinahe auf den Tag genau 50 Jahre nach Aufhebung des gegenseitigen, fast 1000 Jahre dauernden Kirchenbannes zwischen katholischer und orthodoxer Kirche stattfand, gab dem Treffen eine bemerkenswerte Note. Nach Papst Franziskus und dem "Ökumeneminister" des Vatikans, Kardinal Kurt Koch, zählt damit auch Bischof Ägidius Zsifkovics zu den ranghöchsten katholischen Würdenträgern, die in den vergangenen Monaten persönliche Gäste des weltweiten Oberhauptes der Orthodoxen Kirche waren.

Geheimnisvolles Päckchen vom Berg Athos
Das erste einer ganzen Reihe von Treffen fand im Phanar, dem historischen Amtssitz des Patriarchen statt. Kaum hatte man das Gespräch begonnen, sorgte ein per Post überbrachtes Paket für eine Überraschung. "Das kommt im richtigen Moment", so der Patriarch, der das Packpapier gekonnt entfernte und eine Ikone des heiligen Ägidius vom Berg Athos zum Vorschein brachte. Patriarch Bartholomaios I. überreichte die Kostbarkeit dem Bischof als Zeichen seiner besonderen Wertschätzung. Bischof Zsifkovics hatte seinerseits dem Patriarchen Nahrung für Leib, Seele und Geist mitgebracht, neben burgenländischen Spezialitäten unter anderem sein neues Buch "Von A bis Z" sowie das Burgenländische Jahrbuch, in denen Bartholomaios I. interessiert schmökerte.


Foto: Bartholomaios I. überreicht Bischof Zsifkovics als Zeichen besonderer Verbundenheit eine Ikone des heiligen Ägidius, die eigens für den Eisenstädter Bischof auf dem Berg Athos angefertigt wurde.
© Dominik Orieschnig


Metropolit Arsenios: "Mit Ökumene Weg und Willen des Herrn verwirklichen"
Die Reise des Eisenstädter Bischofs folgte in Inhalt und Verlauf ganz dem pragmatischen Ansatz, den er schon bisher mit seinem Mitbruder Metropolit Arsenios pflegte: Nicht auf die Theologen warten, sondern auf Tuchfühlung gehen und, wie Papst Franziskus sagt, "zusammen vorangehen, füreinander beten und miteinander Werke der Barmherzigkeit tun". Der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich ist aus demselben Holz geschnitzt: "Wenn Ökumene bedeutet, dass wir Christen in unseren Herzen alles tun müssen, um der Einheit wieder fähig und würdig zu werden", so Metropolit Arsenios, "dann ist gerade sie der Boden, auf dem der Weg und der Wille des Herrn verwirklicht werden. Außerdem können wir uns den Luxus der Trennung nicht länger leisten!" Gedanken, die am nächsten Tag beim Besuch beider Bischöfe am Grab von Patriarch Athenagoras im Kloster Balikli in die Gebete eingeflossen sein könnten. Athenagoras I. und Papst Paul VI. hatten 1965 in Jerusalem den gegenseitigen Kirchenbann für aufgehoben erklärt.




Metropolit Arsenios und Bischof Zsifkovics betend am Grab von Patriarch Athenagoras I.
© Dominik Orieschnig

Orthodoxes Kloster: Patriarch reiht sich mit großzügiger Spende in Riege der Gründerpersönlichkeiten ein
"Ich freue mich, dass die Ökumene gerade in Österreich so konkrete und große Schritte nach vorne macht", zeigte sich Patriarch Bartholomaios I. erfreut über die Freundschaft und die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die zwischen dem Eisenstädter Bischof und dem Metropoliten von Austria bestehen. Ausdrücklich dankte der Patriarch nochmals der Diözese Eisenstadt und ihrem Bischof für das Grundstück zur Errichtung des 1. Orthodoxen Klosters in Österreich. "Ihre bedingungslose Großzügigkeit, die von Anfang an frei war von kirchenpolitischem Kalkül und das Wohl der orthodoxen Christen im Sinn hatte, sucht ihresgleichen. Sie haben gegeben, ohne zu verlangen. Ich kann Sie umgekehrt nur unserer Liebe und unserer tiefen ökumenischen Verbundenheit versichern. Nur ein Weg der Liebe, ohne Hintergedanken und Berechnung, ist in der Ökumene der Weg der Zukunft. Diesen wollen wir weiterhin gemeinsam beschreiten – auch wenn es innerhalb der Orthodoxie Ressentiments dagegen gibt", so der Ökumenische Patriarch wörtlich zu Bischof Zsifkovics, bevor er sich mit einer großzügigen Spende für den Bau des neuen Klosters in die Riege der Gründerpersönlichkeiten des 1. Orthodoxen Klosters in Österreich einreihte. Zugleich überreichte er Pater Paisios Jung, der dem neuen Kloster vorstehen wird, die Mandias, das liturgische Kleidungsstück, das in der Orthodoxen Kirche die kirchliche Würde von Äbten und Bischöfen symbolisiert. Abt Paisios nahm die Gabe aus den Händen des Ökumenischen Patriarchen mit großer Freude und Rührung entgegen.

Als Europa- und Flüchtlings-Bischof den Finger am unruhigen Puls des Bosporus
Unter den zahlreichen Themen, die bei den Arbeitstreffen in Istanbul erörtert wurden, befand sich immer wieder die Situation des Christentums in Europa. Das Thema Religionsfreiheit stellt gerade im Dialog zwischen EU und der Türkei ein Dauerthema dar und "wird auch bei den kürzlich wiederaufgenommenen Beitrittsgesprächen eine zentrale Rolle spielen müssen", so Europabischof Zsifkovics. Gleichzeitig tauschten Patriarch und Bischof sich darüber aus, welche Herausforderungen sich katholischen wie orthodoxen Bischöfen entlang der Migrationsrouten stellen und wie auch hier ein ökumenischer Lösungsansatz aussehen könnte – ein Thema, dem sich Bischof Zsifkovics mit einer im Februar 2016 in Österreich einberufenen Konferenz internationaler Bischöfe stellen will.

Konstantinopel und die Kirche des Ostens
Seit mehr als 17 Jahrhunderten ist Konstantinopel (Istanbul) der Sitz des Ökumenischen Patriarchates und des Oberhauptes der vom Apostel Andreas gegründeten "Kirche von Konstantinopel". Der Apostel Andreas und der Apostel Petrus waren leibliche Brüder, die von ihnen begründeten Traditionen waren bis zur historischen Kirchenspaltung (Schisma) im Jahr 1054 Teil einer gemeinsamen christlichen Kirche.
Vor 50 Jahren, am 7. Dezember 1965, haben der damalige orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, Athenagoras I., und Papst Paul VI. die bei der Kirchentrennung von 1054 ausgesprochene gegenseitige Verdammung für unwirksam erklärt. In einem gemeinsamen Papier hielten sie fest, dass sie die rund 900 Jahre zuvor verkündeten Exkommunikationen, "deren Erinnerung einer Annäherung in der Liebe bis heute hindernd im Wege steht, bedauern, aus dem Gedächtnis und der Mitte der Kirche tilgen und dem Vergessen anheimfallen lassen". Der Schritt, der mit dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 zusammenfiel, gilt als ökumenischer Meilenstein.

Flüchtlingshilfe: Diözese Eisenstadt ehrt Landespolizeidirektor Doskozil mit St. Martinsorden in Gold

Bischof Zsifkovics überreichte LPD Hans Peter Doskozil
den St. Martinsorden in Gold - die höchste Auszeichnung
der Diözese Eisenstadt 

Höchste diözesane Auszeichnung für den Leiter der Landespolizeidirektion Burgenland, Hans Peter Doskozil - Bischof Zsifkovics dankte ihm für sein "äußerst kompetentes, unaufgeregtes, besonnenes und zutiefst menschliches Handeln" im Zuge der Flüchtlingshilfe, die sowohl eine "humane Bewältigung schwierigster Situationen" gewährleistete als auch das "Gefühl von Sicherheit" vermittelte

Der Landespolizeidirektor des Burgenlandes, Hans Peter Doskozil, wurde für sein national wie international vielfach gelobtes Krisenmanagement im Zuge der Flüchtlingsbewegung mit der höchsten Auszeichnung der Diözese Eisenstadt geehrt: Er erhielt aus den Händen von Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics den St. Martinsorden in Gold. Doskozil habe durch sein "äußerst kompetentes, unaufgeregtes, besonnenes und zutiefst menschliches Handeln nicht nur hauptverantwortlich eine humane Bewältigung schwierigster Situationen gewährleistet, sondern gleichsam als ein ‚Fels in der Brandung’ dazu beigetragen, dass unsere Landsleute stets das Gefühl von Sicherheit haben konnten und die Stimmung immer positiv geblieben ist", so der Bischof.

Krisenmanagement fand international große Beachtung
Angeleitet durch das beispielhafte Handeln Doskozils sei der Umgang der Polizistinnen und Polizisten mit Schutzsuchenden "trotz der immensen Belastung äußerst sensibel und geduldig": "Dies alles hat, was ich als Europabischof und Koordinator für Migration, Flucht und Integration nur bestätigen kann, national und auch international große Beachtung gefunden", betonte Diözesanbischof Zsifkovics im Rahmen der Überreichung des St. Martinsordens in Gold. Gleichzeitig bedankte sich der Bischof für die "gute Zusammenarbeit" der gesamten Landespolizei mit der Caritas der Diözese Eisenstadt sowie dafür, auf souveräne Art und Weise Schutz und Hilfe geleistet zu haben und zu leisten.

"Wir können uns Herausforderung nicht entziehen"
Der Bischof erinnerte auch an die Flüchtlingstragödie bei Parndorf, wo in der Nacht vom 26. auf den 27. August 2015 auf der Ostautobahn 71 Personen, darunter 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder, in einem von Ungarn aus nach Österreich fahrenden Kühllastwagen ums Leben kamen: "Diese Tragödie hat uns die vielen Tragödien, die sich nahezu wöchentlich in südlichen Ländern Europas abspielen, erst richtig anschaulich gemacht. Der Herausforderung, die sich aus dieser Flüchtlingsbewegung ergibt, können wir uns alle nicht entziehen, sei es aus christlicher Nächstenliebe, sei es aus rein humanistischen Gründen", sagte Bischof Zsifkovics.

Professionelle Hilfe und Logistik
Viele Burgenländerinnen und Burgenländer hätten, wie Bischof Zsifkovics hervorhob, "Großartiges geleistet, seien sie Mitglieder diverser Hilfsorganisationen oder Initiativen, sei es, dass sie spontan ihre Mitarbeit anbieten. Dabei erfahren die Helferinnen und Helfer selbst leider nicht nur Unterstützung, sondern sind mitunter auch mit Gleichgültigkeit bis hin zu Hass konfrontiert". Die Flüchtlingsbewegung, die angesichts ihrer quantitativen Größenordnung, aber auch angesichts der Heterogenität der Kulturkreise und Lebensumstände jener Schutzsuchenden, die der Bedrohung durch Krieg, Terror, Gewalt, Hunger, Armut und Unterdrückung im eigenen Land entfliehen, eine große Herausforderung sei, brauche nicht nur Engagement der Helfenden, sondern auch eine professionelle und gut organisierte Logistik, die die Infrastruktur einer dadurch erst möglichen effizienten und effektiven Hilfeleistung schafft. Auch daran habe die Arbeit der Landespolizei und Hans Peter Doskozil als oberster Polizist des Burgenlandes maßgeblichen Anteil, so der Bischof.

Der 45-jährige Hans Peter Doskozil ist seit September 2012 Landespolizeidirektor im Burgenland. 1989 trat er in die Bundespolizei Wien ein, absolvierte neben seiner beruflichen Tätigkeit ein Studium der Rechtswissenschaft, das er im Jahr 2000 mit der Sponsion zum Magister iur. abschloss. 2003 wurde er erstmals der Sicherheitsdirektion Burgenland zugeteilt, im Jahr 2008 wechselte er als Referent in das Büro von Landeshauptmann Hans Niessl, das er ab 2010 leitete. 2012 kehrte er als Leiter der Landespolizeidirektion Burgenland in den Polizeidienst zurück. Der Vater zweier Kinder ist passionierter Fußballer und war früher Obmann des SV Kroisegg.

Freitag, 18. Dezember 2015

Flucht und Integration: Diözese setzt auf Bildung


Die Caritas der Diözese Eisenstadt organisiert gemeinsam mit dem Burgenländischen Forum Katholischer Erwachsenenbildung ein breit gefächertes, umfassendes Bildungsangebot einerseits für Asylwerberinnen und Asylwerber zur Orientierung und als wichtigen Integrationsschritt, andererseits Informationsangebote für die ortsansässige Bevölkerung zum komplexen Themenfeld Flucht, Asyl und Integration

"Bildung ist ein zentraler Schlüssel sowohl für Integration als auch für Verständigung. Eine gelingende Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, die Fähigkeit, sich in einer neuen Lebenswelt zurechtfinden zu können, das System der Rechte und Pflichten ebenso wie Unterschiede zwischen den Kulturen zu verstehen ist eine Frage von Bildung, ebenso wie der Abbau von Ängsten und Unsicherheiten", sagt Johann Artner, Leiter des Forums Katholischer Erwachsenenbildung der Diözese Eisenstadt. Die Katholische Erwachsenenbildung organisiert nun gemeinsam mit der burgenländischen Caritas ein breit gefächertes Bildungsangebot, das einerseits in Oberpullendorf Orientierungskurse für Asylwerberinnen und Asylwerber, andererseits Informationsangebote für die ortsansässige Bevölkerung beinhaltet.

Orientierung als Schlüssel der Integration
Neben Deutschkursen, die seit einigen Monaten im Haus St. Stephan in Oberpullendorf angeboten werden, soll hier nun auch ein Orientierungskurs für Asylsuchende und Asylberechtigte einen wichtigen Beitrag für eine gute Integration und ein gutes Zusammenleben leisten. "Asylsuchende und Asylberechtigte sind in Österreich mit vielen Dingen konfrontiert, die ihnen fremd sind. Weil viele Bereiche anders als in den Herkunftsländern funktionieren und andere Grundlagen haben, ergeben sich Räume für Missverständnisse", so Artner.Der Orientierungskurs spricht Fragen nach einer gelingenden Orientierung und einem erfolgreichen Zurechtfinden in Österreich ebenso an wie die Funktionen und Strukturen von Politik, Wirtschaft, Bildung, Sozialstaat, Religion, Familie und Umweltschutz in Österreich. Welche Rechte und Pflichten von Einwohnern in Österreich erwartet werden kommen ebenso zur Sprache wie die Unterschiede zwischen Herkunftskultur und der österreichischen Kultur.

Verantwortliche gesellschaftliche Teilnahme ermöglichenZiel des von namhaften Expertinnen und Experten getragenen Orientierungskurses ist es, das Verständnis für das österreichische Staatswesen, die österreichische Gesellschaft und Kultur zu befördern und zu vertiefen, Kenntnisse der Rechte und Pflichten als Einwohner und Staatsbürger zu vermitteln und zur verantwortlichen, gelingenden Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu befähigen. Asylsuchende und Asylberechtigte sollen interkulturelle Kompetenzen erwerben und eine positive Sicht auf das österreichische, demokratische Gesellschaftswesen entwickeln.
Um allen Interessierten eine sinnvolle Vermittlung des Kursangebots zu ermöglichen, werden mit Rehab El-Shikh und Mona Ketf-Bernstein zwei Übersetzerinnen für die arabische und für die persische Sprache zur Verfügung stehen. Für die Zeit der Kursteilnahme wird zudem eine Kinderbetreuung angeboten, um Frauen und Männern mit Kinderbetreuungspflichten eine Kursteilnahme zu ermöglichen. Die Kursteilnahme ist für Asylwerbende und Asylberechtigte kostenlos.

Großes Interesse am Kursangebot

"30 Menschen, die in verschiedenen Quartieren im Bezirk Oberpullendorf wohnen, haben dieses Angebot mit großem Interesse und großer Dankbarkeit angenommen. Die Asylsuchenden werden von Ehrenamtlichen aus den Ortschaften nach Oberpullendorf gebracht", so Artner. In Kooperation mit der Caritas der Diözese Eisenstadt und dem Katholischen Bildungswerk soll dieser Kurs neben dem Haus St. Stephan auch im Eisenstädter Haus Franziskus und in Mattersburg angeboten werden. "Großes Interesse besteht auch in Horitschon und Unterfrauenhaid", sagt Artner.

Informationsangebote für Pfarren und Gemeinden
Die zweite von der Diözese Eisenstadt eröffnete Bildungsschiene betrifft Informationsangebote zum Themenkomplex Flucht-Asyl-Integration für Pfarren, Gemeinden und alle Interessierten. "Neben Erfahrungen der tätigen Nächstenliebe sind wir in der aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzung auch mit vielen emotionalen Fragen konfrontiert wie etwa: Wer kommt da? Welche fremde Kultur und welche Religionen bringen die Menschen mit? Wie können wir mit Konflikten umgehen? Wie begegne ich Hetze und Stammtischparolen?", erläutert Johann Artner vom Forum Katholischer Erwachsenenbildung.
Ziel dieser Bildungsangebote, die von Pfarren und Gemeinden individuell gebucht werden können, sei es, so Artner, Lernorte für eine Kultur des Dialogs und der Solidarität zu schaffen, zu weiten und zu vertiefen. Zu den vielfältigen Themenbereichen aus diesem Kursangebot gehören unter anderen: "Flucht und Asyl – Fakten und rechtliche Grundlagen", "Wir reden mit ihnen nicht über sie", "Argumentationstraining gegen Stammtischparolen", "Kultur und Diversität", "Glaube und Spiritualität in der freiwilligen Arbeit", "Trauma und seine Folgen", "Die vielen Gesichter des Islam" oder "Kommunikation und Konflikt – eine kultursensible Annäherung".

Bildung: "Horizonterweiterung als Chance"
"Bildung hat immer mit Horizonterweiterung des eigenen Selbst-, Welt- und Fremdverständnisses zu tun sowie mit der Befähigung und Beförderung von Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität. Es ist die Bildung, die einen wesentlichen Beitrag leisten kann, um die Herausforderungen von Flucht, Asyl und Integration in Chancen zu transformieren", ist Johann Artner überzeugt.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Zsifkovics mahnt gemeinsame EU-Antwort auf Flüchtlingskrise ein


Eisenstädter Bischof erarbeitet im Auftrag der EU-Bischofskommission COMECE Grundsatzpapier zu Flucht, Migration und Integration, das EU-Entscheidungsträgern wesentliche Anregungen aus christlicher Sicht bieten soll - Heute und morgen, 18. Dezember, dem Internationalen Tag der Migranten, befasst sich der Europäische Rat mit dem Thema

Eisenstadt-Brüssel, 17.12.2015 - Flüchtlingen Schutz und Hilfe bieten und gleichzeitig die gesellschaftliche Stabilität und das kulturelle Gleichgewicht in Europa zu bewahren ist zwar eine große Herausforderung, aber möglich: Das hat der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics dargelegt. Der in der EU-Bischofskommission (COMECE) für Integrationsfragen zuständige Bischof hat ein Grundsatzpapier verfasst, das zentrale Herausforderungen zu den Bereichen Flucht, Migration und Integration benennt und politische Konsequenzen auf nationaler wie internationaler Ebene einmahnt. Zsifkovics fordert eine "verantwortungsvolle und gemeinsame Antwort" auf die aktuelle Flüchtlings- und Migrationskrise und unterstreicht zugleich die Bereitschaft der Katholischen Kirche zu Hilfe und Zusammenarbeit.
Das Grundsatzpapier wurde dieser Tage von COMECE-Präsident Kardinal Reinhard Marx mit einem Begleitschreiben an die EU-Entscheidungsträger übergeben; besonders auch hinsichtlich der Beratungen des Europäischen Rates am Donnerstag und Freitag, die sich mit der weiteren Vorgehensweise in der Flüchtlingsfrage beschäftigen. Der Freitag (18. Dezember) ist zugleich auch der Internationale Tag der Migranten.
Wörtlich appelliert Bischof Zsifkovics im Namen der EU-Bischöfe an die Politik: "Wir rufen die internationale Gemeinschaft und die einzelnen Staaten, darunter die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, zu einer verantwortungsvollen und gemeinsamen Antwort auf die aktuelle Flüchtlings- und Migrationskrise auf. Eine Antwort, die Menschen ins Zentrum der Maßnahmen rückt und die Ursachen der Krise bekämpft. Eine Antwort, die ein neues Modell internationaler Zusammenarbeit entwickelt und verbindliche Abkommen erarbeitet. Eine Antwort, die einen angemessenen Umgang mit der Situation garantiert - unter voller Beteiligung der Europäischen Union und ohne jegliche Schmälerung des Gemeinwohls europäischer Gesellschaften."
Wo ein Staat seine Grundpflichten verletzt und nicht mehr die Bedingungen gewährleisten kann, damit seine Bürger in Würde und in Garantie ihrer natürlichen Rechte leben können, anerkenne die Katholische Kirche es als deren Recht, das eigene Leben und das ihrer Familien zu schützen und auszuwandern. Ebenso sei es aber auch Bestandteil kirchlicher Lehre, "dass souveräne Staaten das Recht und die Verantwortung besitzen, ihre Grenzen zu schützen und Immigration nach den Maßgaben der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und in Respektierung des Gemeinwohls zu regulieren", hält der Bischof fest.

Vertrauen und Integration
In der gegenwärtigen Situation bräuchten die Staaten, die Gesellschaften und die Bürger Europas vor allem gegenseitiges Vertrauen. Zsifkovics: "Nur durch Vertrauen kann jene günstige politische und soziale Atmosphäre wachsen, die eine allgemeine Kultur des Willkommenseins und der Akzeptanz von Pluralität mit den Erfordernissen des Gemeinwohls in Einklang zu bringen vermag."
Die Solidarität zwischen den Staaten und den Bürgern der Europäischen Union werde stark davon abhängen, inwieweit es gelingt, "Sicherheit, Stabilität und sozialen Zusammenhalt zu gewährleisten" und "die soziale, kulturelle und historische Eigenheit gewachsener europäischer Gesellschaften zu bewahren".
Der Eisenstädter Bischof weist auf das viel verbreitete gesellschaftliche Gefühl von Unsicherheit und die Befürchtungen hin, dass die vielen Neuankommenden in Europa die traditionelle Kultur und Lebensart heimischer Gesellschaften dramatisch verändern würden. Es sei daher von allergrößter Bedeutung, eine ernsthafte, in die Tiefe wirkende Integration von Migranten und Flüchtlingen zu bewerkstelligen, die "die Bedürfnisse und Rechte der ausgewanderten Personen und Familien sowie zugleich der Zielgesellschaften der Emigranten selbst" schützt. Diese Wechselseitigkeit beinhalte auch die unabdingbare Verantwortung von Immigranten, sich zum Gemeinwohl der von ihnen gewählten Gemeinschaften und Staaten zu bekennen, deren positive Werte zu bejahen und deren Gesetze zu befolgen.

Staatengemeinschaft gefordert
Die gegenwärtigen Phänomene von Flucht und Migration seien nicht zu bewältigen ohne eine bessere Zusammenarbeit zwischen den EU-Mitgliedstaaten, so Zsifkovics. Das beinhalte eine gerechte Aufteilung der Lasten inklusive einer Überarbeitung des Dublin-Systems, die Verpflichtung zu besserer und gemeinsamer Kontrolle der EU-Außengrenzen und die generelle Bereitschaft, getroffene Vereinbarungen einzuhalten und rechtliche Verpflichtungen zu erfüllen.
Auch die bessere Zusammenarbeit mit Drittländern, vor allem mit den Ursprungs- und Transitländern von Flüchtlingen und Migranten, sei notwendiger Teil der Krisenbewältigung. "Innenpolitik wird im 21. Jahrhundert immer mehr zu Außenpolitik und umgekehrt", so Zsifkovics wörtlich. Dieser Zusammenhang lasse sich am Thema Flucht und Migration deutlich darstellen.
Die Probleme von Flucht und Migration können nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung der internationalen Staatengemeinschaft gelöst werden, zeigt sich der Bischof überzeugt: "Nicht nur die EU-Länder, auch die Ursprungs- und Transitländer sowie die internationale Staatengemeinschaft als solche haben hier die dringlichste Pflicht, alles zu tun, damit Menschen das Schicksal der Flucht von vornherein erspart bleibt und sie nicht ein zweites Mal zu Opfern werden - von Menschenhändlern und Schmugglern."
Mit Elan und Effizienz müssten die Hauptursachen der Flüchtlingskrise und von Migration bekämpft werden: "Der Krieg in Syrien muss beendet werden, ebenso die Verfolgung religiöser und ethnischer Minderheiten in Drittländern." Oftmals seien es Christen, die in vielen außereuropäischen Ländern zu den am meisten verfolgten Minderheiten zählen.
Zsifkovics weist in diesem Zusammenhang aber auch auf den Zusammenhang zwischen Migration und Entwicklungspolitik hin. Die Schaffung neuer Beziehungen und günstiger Rahmenbedingungen zur Entwicklung von Drittländern sei eine unverzichtbare Zukunftsaufgabe europäischer Politik. Nur so erhielten diese Staaten den nötigen Anreiz zur Schaffung sozialer und wirtschaftlicher Infrastrukturen, die es ihren Bürgern erlauben, vom Recht Gebrauch zu machen, ihre Heimat nicht zu verlassen, und die jenen, die bereits flüchten mussten, eine Rückkehr in sichere und aussichtsreiche Verhältnisse ermöglichen.

Soziale Wahrnehmung
Der Bischof unterstreicht auch die Bereitschaft der Kirche, Politik und Behörden umfassend zu unterstützen. Die Katholische Kirche verfüge über ein vielfältiges und weltumspannendes Netzwerk mit "besonderer sozialer Wahrnehmungskompetenz und tatkräftigem Engagement". Diese Kompetenzen seien ein wesentlicher Teil für politische Lösungen, zeigt sich der Bischof überzeugt.
Zsifkovics weist in diesem Zusammenhang auf den institutionalisierten Dialog zwischen Europäischer Union und Katholischer Kirche hin. Dies sei ein exzellentes Instrument zum Austausch von Meinungen, Perspektiven und Erfahrungen gerade auch zum Thema Flucht und Migration. Dieser Dialog könne den Institutionen der Union eine fruchtbare Teilhabe an den weitreichenden praktischen Erfahrungen, dem Wissen um die Dramatik menschlicher Schicksale und der gesellschaftlichen Expertise der Kirche ermöglichen. Es gehe um "Erfahrung, Wissen und Expertise, die die Katholische Kirche in allen Mitgliedstaaten mit klarem Bekenntnis und konkreten Taten bei der Aufnahme und Begleitung von Menschen auf der Flucht unter Beweis gestellt hat und weiterhin tagtäglich unter Beweis stellt".

"Kultur des Willkommenseins"
Bischof Zsifkovics fordert weiters die Behörden auf lokaler, nationaler und EU-Ebene dazu auf, "eine gesellschaftliche Kultur des Willkommenseins weiterhin zu begünstigen". Positive Erfahrungen im Zusammenhang mit Flüchtlingen und Migranten sollten dabei verstärkt Teil ermutigender Berichterstattung und vorurteilsfreier Erzählkultur werden. Gleichzeitig dürften die berechtigten Fragen und Sorgen der Gesellschaft nicht negiert werden. Ihnen könne mit dem Hinweis auf die positiven Erfahrungen mit den Neuangekommenen begegnet werden.
Die Katholische Kirche sei entsprechend ihres Sendungsauftrages bereit, "den zu uns Kommenden, vor allem den am meisten Bedürftigen, Hilfe und Beistand zu leisten, und zu ihrer Integration in die Gesellschaft mit den Behörden der Gastländer zusammenzuarbeiten".
Bischof Zsifkovics war Ende Oktober zum Koordinator der COMECE-Bischöfe für die Bereiche Flucht, Migration und Integration ernannt worden. In dieser Funktion bereitet er u.a. für Mitte Februar 2016 eine internationale Tagung mit Bischöfen aus Herkunfts-, Transit- und Aufnahmeländern von Flüchtlingen vor. Die Tagung von 15. bis 16. Februar wird in Stift Heiligenkreuz stattfinden.

(Quelle: Kathpress)

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Diözesane Betriebskultur: "Gute Arbeit braucht Anker der Entschleunigung und Sammlung"


Bereits zum vierten Mal ermöglicht die Diözese Eisenstadt mit einem Betriebsurlaub vom 24. Dezember 2015 bis 6. Jänner 2016 allen kirchlichen MitarbeiterInnen einen ausgedehnten zeitlichen Freiraum für die Familie, Freunde, Muße und die eigene innere Ruhe.

"Gute Arbeit braucht Ankerplätze der Entschleunigung und der eigenen Sammlung. Ohne das bewusste Setzen von Zeit-Ruhe-Räumen, ohne die Atemluft der Gelassenheit, die loslassen kann und darf von der Alltagsdynamik, von Leistungsansprüchen und Arbeitsanforderungen, wird nicht nur die Muskulatur des Produktiv-Kreativen erlahmen, es wird die leibseelische Ganzheit des Menschen und seine mitmenschlichen Bezüge austrocknen", so Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, der mit einem Betriebsurlaub für alle kirchlichen MitarbeiterInnen der Diözese Eisenstadt bereits zum vierten Mal ein konkretes Zeichen zur Entschleunigung und Sammlung in der Weihnachtszeit setzt.

Freiräume für das Fest der inneren Freiheit
"Zu Weihnachten ist Gott Mensch geworden. Es ist ein Fest der Freude, ein Fest für Seele, Geist und Leib. Die Menschen müssen die Möglichkeit haben, dieses Fest in innerer Freiheit, ohne seelischen Stress und Druck anzunehmen. Das bedeutet viel mehr, als am Heiligen Abend ein paar Geschenkpackerln aufzureißen", so der Bischof, der von der Bedeutung eines weihnachtlichen Betriebsurlaubs überzeugt ist.

Sinnressource Arbeit braucht Work-Life-Balance
Gerade kirchliche Einrichtungen müssten beispielgebend vorangehen, wenn es darum gehe, eine sinnerfüllte "Work-Life-Balance", eine Balance zwischen Arbeit und freier Zeit, zwischen Stunden der Produktivität und jenen der Ruhe zu bewahren. "Menschliche Freiräume dürfen nicht den Idolen jener ‚turbokapitalistischer Verirrungen’ geopfert werden, die gute Arbeit als gestalterischen, kreativen, sich selbst und in der Gemeinschaft verwirklichenden Sinnvollzug zu Formen der Ausbeutung, der Entfremdung und Verdinglichung pervertieren", betont Bischof Zsifkovics. Die seit Jahren gepflegte Betriebskultur der Diözese, die genau diese Ankerplätze der Erholung und Zuwendung an Familie und Freunde ermöglicht, sei somit auch allgemeine gesellschaftliche Einladung zum Entdecken und Wiederentdecken von Arbeit als tatsächlicher Sinnressource, aber auch Stachel im Fleisch fehlgeleiteter Tendenzen.

"Atemlos lassen sich Potenziale nicht entfalten"
Untersuchungen zeigen eindeutig, dass Gestaltungsfähigkeiten, Arbeitspotenziale, die Selbstverwirklichung durch eigene Leistungen und die mit eigenen Handlungsleistungen verbundene Freude durch mangelnde Ausgleichs-, Ruhe- und Freiräume deutlich abnehmen. "Ein gesunder Betrieb braucht gesunde Menschen und Gesund-Sein betrifft den leibseelischen Selbst- und Weltbezug im Ganzen", so der Bischof. "Atemlosigkeit und die Illusion eines ruhelosen ‚Immer-Mehr’ sind keine gute Grundlage für das Entfalten und Verwirklichen von Potenzialen. Und das betrifft das Arbeits- und Wirtschaftsleben genauso wie die Gestaltung von Freizeit, die sich etwa durch einen überbordenden und übersteuerten Konsum selbst um die Chance einer eigentlichen Sammlung, einer Freilegung eigener Daseinsmöglichkeiten bringt."

In der Zeit vom 24. Dezember 201 bis 6. Jänner 2016 werden daher alle Dienststellen der Diözese geschlossen sein. Ausgenommen sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im seelsorglichen Dienst.

Montag, 14. Dezember 2015

Prälat Josef Rittsteuer im 102. Lebensjahr verstorben


Der ehemalige Dom- und Stadtpfarrer von Eisenstadt feierte erst im Vorjahr sein 75. Priesterjubiläum und war einer der maßgeblichen Säulenträger im Aufbau der Diözese Eisenstadt

Prälat Josef Rittsteuer, einer der "Urgesteine" der Diözese Eisenstadt, ist am Samstag im 102. Lebensjahr verstorben. Anlässlich seines 75. Priesterjubiläums im Vorjahr würdigte Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics den ältesten Geistlichen des Burgenlandes als eine herausragende Persönlichkeit, die in all den vielfältigen Aufgaben in einer Zeitspannen von einem dreiviertel Jahrhundert die Menschen zu versammeln vermochte, "wie eine Henne ihre Küken versammelt". Der Bischof habe schon als "kleiner Seminarist den Herrn Prälat kennenlernen dürfen. Wir haben als Priesteranwärter und später als Mitbrüder immer zu ihm aufgeschaut", so Bischof Zsifkovics.

Vor 76 Jahren zum Priester geweiht
Prälat Josef Rittsteuer war ein maßgeblicher Säulenträger im Aufbau des kirchlichen Lebens der Diözese Eisenstadt. Geboren am 25. September 1914 in Neusiedl am See und damit unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs empfing Rittsteuer, der ursprünglich Offizier werden wollte, am 9. Juli 1939, und damit kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, in Wien die Priesterweihe. Er wirkte anfänglich als Kaplan und Pfarrvikar in Mattersburg (1939-1940), als Pfarrprovisor in Wolfau und als Kaplan in Lockenhaus (1940-1941). Zwischen 1941 und Ende 1945 war Rittsteuer Pfarrvikar in Eisenstadt-Schlossgrund und Oberberg und anschließend bis Anfang der 1960er Jahre Pfarrer in Kleinfrauenhaid.

Dom- und Stadtpfarrer, "Tausendsassa" des kirchlichen Lebens
Josef Rittsteuer, der von 1962 bis 1965 das Amt des Dom- und Stadtpfarrers in Eisenstadt innehatte, kann angesichts seiner beeindruckenden Vielzahl und Vielfalt von übernommenen und wahrgenommenen Verantwortungsbereichen und Funktionen als wahrer "Tausendsassa" im kirchlichen Leben des Burgenlandes bezeichnet werden: So war er unter anderem Leiter der Abteilung für Kirchenmusik, Kanoniker des Kathedralkapitels zum Hl. Martin in Eisenstadt, Regens des Bischöflichen Priesterseminars (von 1965 bis 1975) und Referent des Referats für kirchliche Berufe. Auch publizistisch war er höchst aktiv: Zwischen 1969 und 1997 leitete er den St. Martins-Verlag und 20 Jahre lang, von 1969 bis 1989, fungierte Josef Rittsteuer als leitender Redakteur der Kirchenzeitung.

Vielfach geehrt und hoch geschätzt
Im Diözesankirchenrat war er ebenso engagiert wie in einer Vielzahl diözesaner Kommissionen, darunter jener für kirchliche Kunst, Musik, Liturgie und Personal. Josef Rittsteuer war Leiter des Burgenländischen Kirchenbauwerks, Kirchenanwalt des Bischöflichen Diözesangerichts und Diözesanrichter. 1978 wurde er zum päpstlichen Ehrenprälaten ernannt, ab 1983 trug er den Berufstitel Professor. Die Stadtgemeinde Neusiedl verlieh ihm den Ehrenring, die Landeshauptstadt und Freistadt Eisenstadt das Verdienstkreuz in Gold und die Joseph Haydn-Gedenkmedaille, das Land Burgenland den Kulturpreis.

Am 1. Jänner 1998 trat Josef Rittsteuer in den Ruhestand, ohne freilich seine seelsorglichen Aktivitäten ruhen zu lassen: "Ein Priester geht nicht in Pension", pflegte er zu sagen. Auch nach seinem 100. Geburtstag feierte der gebürtige Neusiedler regelmäßig Messen in der Franziskanerkirche in Eisenstadt.

Verfasser kirchenhistorischer Standardwerke
Seine zahlreichen kirchenhistorischen Arbeiten haben mittlerweile den Rang von Standardwerken, darunter die 1968 erschienene Publikation "Kirche im Grenzraum. Ein Beitrag zur Kirchengeschichte der Diözese Eisenstadt" oder das Werk "Neusiedl am See. Ein Beitrag zur Orts- und Kirchengeschichte des Burgenlandes".

Für den verstorbenen Apostolischen Protonotar Josef Rittsteuer wird am Mittwoch, dem 16. Dezember, um 18 Uhr ein Requiem in der Eisenstädter Dom- und Stadtpfarrkirche abgehalten. Am Freitag, 18. Dezember, findet um 19 Uhr eine Gebetsstunde in der Stadtpfarrkirche Neusiedl statt. Die Begräbnisfeier mit anschließender Beisetzung des verstorbenen Prälaten Josef Rittsteuer wird am Samstag, 19. Dezember, um 11 Uhr in der Stadtpfarrkirche Neusiedl begangen.

Jahr der Barmherzigkeit: Diözese Eisenstadt eröffnet Heilige Pforten


Das von Papst Franziskus ausgerufene heilige "Jahr der Barmherzigkeit" und das Jubiläumsjahr "1700 Jahre Heiliger Martin" sind der perfekte "Türöffner" für die Einrichtung Heiliger Pforten, die in der Diözese an der Eisenstädter Domkirche sowie an den Basiliken in Maria Loretto, Frauenkirchen und Güssing eröffnet wurden und als "Pforten der Barmherzigkeit" an die Mantelteilung des hl. Martin erinnern – Bischof Zsifkovics: "Gelebte Barmherzigkeit ist ein Schlüssel des Christsein, das uns immer wieder aufs Neue vor das Wagnis der Einkehr und der Umkehr stellt"

"Durch eine Pforte zu schreiten, bedeutet immer das Wagnis einer Schwellenerfahrung, sich im Ausgang von einem Bekannten auf ein noch Unbekanntes einzulassen. Auch die Barmherzigkeit ist ein Wagnis und vor allem ist sie jenes Tor, das ein christlich-humanitäres Miteinander eröffnet und grundlegend trägt", so Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics anlässlich der Eröffnung der Heiligen Pforten in der Diözese Eisenstadt. Ermutigt von Papst Franziskus und dem von ihm ausgerufenen heiligen "Jahr der Barmherzigkeit", das mit dem Jubiläumsjahr "1700 Jahre Heiliger Martin" zusammenfällt, hat die Diözese Eisenstadt Heilige Pforten an der Dom- und Stadtpfarrkirche Eisenstadt sowie an den Basiliken Maria Loretto, Frauenkirchen und Güssing eingerichtet.

Pforte der Barmherzigkeit: Symbol der Mantelteilung
Der Bischof lud alle Dekanate der Diözese herzlich ein, im "Jahr der Barmherzigkeit" bzw. im Martinsjahr eine Monatswallfahrt zu den Heiligen Pforten zu begehen. Die Pforten mit dem je im Zentrum leicht schräg stehenden Kreuz mit der Inschrift "Barmherzig wie…" wurden von Künstler Heinz Ebner gestaltet: "Eine solche Pforte kann man nicht unbekümmert ‚durch-laufen‘. Will man die Pforte der Barmherzigkeit passieren, muss man sich um seine eigene Achse drehen, seinen Blickwinkel ändern und seinen Horizont erweitern", so der Künstler. Erst mit dieser Drehung, zu der der Durchschreitende eingeladen wird, wird die zweite Seite des "geteilten Mantels" erschlossen: "Diese hat die Form einer Spiegelfläche, in der sich der Durchschreitende selbst erkennt, und zwar im Anblick ausgewählter Zeitungsartikel und Stellen aus dem Evangelium, die das Thema Barmherzigkeit aufgreifen und zur Sprache bringen", erläutert Heinz Ebner.

Tor zu neuen Sinndimensionen
Die Gestaltung der Pforten soll in ihren Proportionen an das Schwert des römischen Offiziers Martinus erinnern, der damit seinen roten Offiziersmantel durchschnitt und mit einem Bettler teilte. Darauf deuten auch die roten Flächen links und rechts vom Kreuz hin. "Wer sich auf das Geschenk der Barmherzigkeit einlässt, mit dem geschieht selbst etwas im Sinne eines Aufschließens und Erschließens neuer Sinndimensionen, im Sinne einer Offenheit, sich selbst zu verwandeln und nicht nur dieses und jenes als Geschenkhaftes zu verspüren, sondern das Dasein als solches in seinem Gabecharakter anzunehmen. Damit wird auch das Dasein des Nächsten, des Mitmenschen als des konkreten Du zu einem Unverwechselbaren und Geschenkhaften", so Diözesanbischof Zsifkovics.

Durchschreiten als Akt der Verwandlung
Barmherzigkeit, so Bischof Zsifkovics, sei nicht ein beliebiges Thema im Ausbuchstabieren eines christlichen Glaubensbezugs, sondern "wesentlicher Schlüssel für das Erschließen eines Selbst- und Weltverständnisses aus der unversiegbaren Quellen des liebenden Angenommenseins durch Gott". Wer seine Sinne für den Herzschlag der Barmherzigkeit öffne und sein Handeln von der Grunderfahrung der Barmherzigkeit leiten lasse, der vermag nicht bloß ein raumzeitliches, materialisiertes Tor, sondern eine Pforte als Eingang in einen gewandelten Daseinssinn zu durchschreiten".

Künstler Heinz Ebner zur Konstruktion der Grundidee: "Das Kreuz ist aus drei bis vier Dreischicht-verleimten, witterungsbeständigen Holzplatten zusammengesetzt und wird von drei roten Mantelflächen gestützt. Diese bestehen aus jeweils einem massiven Holzrahmen. Auf der Vorderseite der Rahmen sind bedruckte Textilien gespannt, auf der Rückseite mit Text bedruckte Spiegelflächen verschraubt." Die Heiligen Pforten sind als "Portale der Barmherzigkeit" vor dem Eingang der Kirchen im Abstand von fünf bis 20 Metern freistehend aufgestellt.

Franziskus "globalisiert" uralte Tradition
Papst Franziskus hat mit dem von ihm ausgerufenen Heiligen Jahr eine weit zurückreichende spirituelle Tradition revitalisiert und in eine auf der Höhe der Zeit angekommene Form gegossen. Als Heilige Pforte wird ein bestimmter Eingang einer Kathedralkirche bezeichnet, der nur zu Heiligen Jahren geöffnet ist. Beginn und Abschluss des Jubeljahres werden durch die Öffnung und Schließung der Pforte durch den Bischof markiert. Im Jahr 1122 erteilte der damalige Papst Calixt II. der Kathedrale von Santiago de Compostela das Privileg, "Heilige Jahre" durchführen zu dürfen. Papst Bonifaz VIII. rief im Jahr 1300 ein besonderes Pilgerjahr, ein "Jubeljahr" bzw. "Heiliges Jahr" aus, wobei diese Begriffe in seiner Einberufungsbulle noch nicht enthalten sind. Papst Alexander VI. führte zu Weihnachten 1499 die Tradition ein, dass das Heilige Jahr mit drei Hammerschlägen gegen die Heilige Pforte eröffnet wird. In Rom sind die Lateranbasilika, die Basilika St. Peter im Vatikan, die Basilika St. Paul vor den Mauern und die Basilika Santa Maria Maggiore im Besitz einer Heiligen Pforte. Das Durchschreiten einer Heiligen Pforten symbolisiert immer eine Gnadenerfahrung im Zugehen auf Christus. Mit dem von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit erhält diese Tradition eine globale Dimension.

Montag, 7. Dezember 2015

Stellenausschreibung

Das Bischöfliche Ordinariat bringt folgende Stelle zur Ausschreibung: 
  • Küchenhilfe für die Essensausgabe für die Tagesheimschule des Gymnasiums der Diözese  

Weltweites Kerzenleuchten: Gedenken an verstorbene Kinder in Eisenstadt


Die Dom- und Stadtpfarre Eisenstadt nimmt am "Worldwide Candle Lighting", der Initiative Weltweites Kerzenleuchten, im Gedenken an verstorbene Kinder mit einer Samstag-Vorabendmesse am 12. Dezember um 18 Uhr teil – im Anschluss daran findet die Gedenkfeier mit Candle-Lighting statt, sodass Eisenstadt bereits zum sechsten Mal Teil einer globalen "Lichterwelle" wird

Die Dom- und Stadtpfarre Eisenstadt nimmt an der Initiative "Worldwide Candle Lighting", Weltweites Kerzenleuchten, im Gedenken an verstorbene Kinder teil. Der Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder findet immer am zweiten Sonntag im Dezember statt und lädt Angehörige auf der ganzen Welt ein, besonders der verstorbenen Kinder, Enkel und Geschwister zu gedenken. Als Teil dieser weltweiten Initiative wird nach der Samstag-Vorabendmesse am 12. Dezember um 18 Uhr in der Eisenstädter Dom- und Stadtpfarre eine Gedenkfeier mit Candle-Lighting begangen.

Die Dom- und Stadtpfarre Eisenstadt nimmt bereits zum sechsten Mal an der Lichtentzündung und damit an der globalen, durch die einzelnen Zeitzonen der Erde wandernden Lichterwelle teil. Die Feier im Dom wird heuer durch besondere, im Sologesang vorgetragene und mit Keyboard begleitete Lieder mitgestaltet.

"Lasst ihr Licht auf immer scheinen"
Im Jahr 1996 hat eine amerikanische Initiative den "Worldwide Candle Lighting Day", der seitdem alljährlich stattfindet, ins Leben gerufen. Grundlegend war die Erfahrung der Selbsthilfevereinigung "Compassionate Friends", dass sich trauernde Eltern einander wechselseitig besser helfen konnten, als dies Experten vermochten. Der "Worldwide Candle Lighting Day" soll allen Familien, die ein Kind verloren haben, die Möglichkeit des gemeinsamen Gedenkens geben. Weltweit werden am zweiten Sonntag im Dezember um 19:00 Uhr Kerzen für verstorbene Kinder entzündet und sichtbar an einem Fenster platziert. Durch die Zeitverschiebung ergibt sich eine globale Lichterwelle, die in 24 Stunden einmal um die ganze Erde wandert. Damit kommt der Grundgedanke der Initiative – "that their light may always shine" ("lasst ihr Licht auf immer scheinen") – zum Ausdruck.

Raum und Zeit für das Gedenken
Gerade in der Vorweihnachtszeit kann der Kindergedenktag für viele betroffene Familienmitglieder einen wichtigen Beitrag für die Trauerarbeit leisten. Der weltweite Charakter der Idee vermittelt zudem ein Gefühl, in der Trauer nicht alleine zu sein. Zudem haben oft Eltern und Angehörige von Kindern, die in einem frühen Stadium der Schwangerschaft verstorben sind, keinen Ort für ihre Trauer. Die Initiative soll ihnen Zeit und Raum für das Gedenken geben. Der "Worldwide Candle Lighting Day" erinnert aber auch Menschen, die kein eigenes Kind verloren haben, daran, dass täglich auf der ganzen Welt viele, viel zu viele Kinder sterben, die bei angemessener Unterstützung, mitunter bei humaneren Lebensbedingungen, hätten leben können. Der Gedenktag steht somit auch im Zeichen der Bewusstseinssensibilisierung für die Bedeutung einer aktiven Unterstützung für notleidende Kinder auf dieser Welt.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Landeskrippenausstellung im Diözesanmuseum Eisenstadt

Am Freitag, dem 11. Dezember 2015 findet um 18.00 Uhr die Eröffnung der Landeskrippenausstellung in der Franziskanerkirche in Eisenstadt statt. Der Krippenverband Burgenland freut sich auf Ihr Kommen!

Die Ausstellung im Diözesanmuseum ist am 12. und 13. Dezember sowie am 19. und 20. Dezember 2015 von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet.
www.krippenbgld.at 


Weitere Ausstellungstermine der burgenländischen Krippenvereine: 

Krippenverein Kaisersdorf
Die Ausstellung im Krippenstadl (Graben 5) ist am 5. und 6. Dezember 2015, jeweils von 13.00 Uhr bis 18.00 Uhr, geöffnet.

Krippenverein Sieggraben
Die Ausstellung im Pfarrheim ist am 6. und 8. Dezember 2015, jeweils 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, geöffnet. 

Krippenverein Marz 
Die Ausstellung im Pfarrheim ist am 6. und 8. Dezember 2015, jeweils von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, geöffnet. 

Krippenverein Wulkaprodersdorf
Die Ausstellung in der Mehrzweckhalle ist am 20. Dezember 2015, von 09.00 Uhr bis 16.00 Uhr, geöffnet. 

Montag, 30. November 2015

Burgenländisches Jahrbuch 2016: Kompass für das Martinsjahr


Viersprachiges Jahrbuch stellt Jubiläumsjahr "1700 Jahre Heiliger Martin" in den Mittelpunkt und liegt ab sofort in den Pfarren und am Bischofshof auf – Eigens für die Diözese Eisenstadt verfasstes Martinsgebet des emeritierten Papstes Benedikt XVI. ebenso enthalten wie ein Porträt Martins als "außergewöhnlichen Heiligen"

"Die Welt braucht mehr Martinus", appelliert Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics zu Beginn des Jubiläumsjahres "1700 Jahre Heiliger Martin", das die Diözese Eisenstadt mit dem diesjährigen Martinsfest ausgerufen hat. "Die Welt braucht mehr Martinus" ist zugleich die einleitende Ermutigung, die der Bischof dem soeben erschienen und ab sofort in den Pfarren erhältlichen Burgenländischen Jahrbuch 2016 voranstellt. "Genauer als jedes GPS-System bietet sich der heilige Martin uns in unserer Epoche als der große Anker an – für das Achtgeben und Annehmen eines Lebensweges, der sich im Glauben, Hoffen und Lieben aus dem Unterwegssein auf Jesus Christus zu speist", so der Bischof. Auch das Jahrbuch selbst versteht sich als ein Kompass, ein Wegweiser für das Martinsjahr.

Martinsgebet von Benedikt XVI.
Der Leserin und dem Leser des neuen Burgenländischen Jahrbuchs wird bereits auf den ersten Seiten ein besonders herausragender Autor ins Auge springen: der emeritierte Papst Benedikt XVI., der eigens für die Diözese Eisenstadt zum Martinsjahr 2016 ein Martinsgebet verfasst hat. In seiner bekannten theologischen Geistestiefe und glasklaren Sprache bringt Benedikt XVI. darin die Wesensmomente der Martinstat vom geteilten Mantel auf den Punkt: "Die Liebe hatte dich zum Glauben geführt, und der Glaube hat sich immer wieder in Liebe ausgedrückt. Hilf auch uns, liebende Menschen zu werden und so Christus zu finden", heißt es in dem Gebet, das im Burgenländischen Jahrbuch 2016 in vier Sprachen abgedruckt ist.

Viersprachiges Jahrbuch als Kaleidoskop kultureller Vielfalt
Die Viersprachigkeit des Jahrbuchs ist überhaupt ein Wesensmerkmal des Buches in seiner Spiegelung der kulturellen Vielfalt als eine der großen Bereicherungen und Schätze des Burgenlandes: "Vielfalt ist für unsere Diözese Eisenstadt kein Marketingetikett, sondern das Ja zum Leben als das Begegnen füreinander, das Wachsen aneinander, das Gespräch miteinander, das wir sind. So ist das Jahrbuch wie die Diözese selbst ein Hoffnung buchstabierendes Mosaik in Romanes, in kroatischer, deutscher und ungarischer Sprache", schreibt Bischof Zsifkovics in seinem Vorwort. Alle werden hier angesprochen, neben den deutschsprachigen Burgenländern auch und zugleich die Volksgruppen der Kroaten, der Roma und der Ungarn, sodass sich das Jahrbuch als ein buntes Kaleidoskop des pluralistischen Miteinanders im Burgenland präsentiert.

Auf der Spur von Martin und weiterer Heiliger
Der emeritierte Universitätsprofessor und Domkustos des Domkapitels zu St. Stephan in Wien, Josef Weismayer, verfasste für das Jahrbuch ein prägnantes Porträt zu "Martin – ein außergewöhnlicher Heiliger!", in dem nicht nur Geschichtliches erschlossen, sondern auch Sinnbezüge zur Gegenwart gebahnt werden. Das Kalendarium 2016 vermittelt spannende Lebensentwürfe von ausgewählten Heiligen, deren Leben und Wirken sich in Bezug zum hl. Martin setzen lassen. Darunter findet sich etwa das Porträt des 1850 verstorbenen Vinzenz Pallotti, der von einem damals als revolutionär eingestuften Berufung aller zum Apostolat sprach und sich für die tatkräftig engagierte, spirituell verwurzelte Liebe zu den Armen stark machte.

Zu lesen ist auch vom frühchristlichen Wehrdienstverweigerer Maximilian von Numidien, der im 3. Jahrhundert nach Christus aus einem christlichen Selbstverständnis heraus die Ausübung von Gewalt gegenüber Mitmenschen verweigerte. Gabriele Neuwirth, Präsidentin des Verbandes katholischer Publizistinnen und Publizisten, aus deren Feder die einzelnen Porträts stammen, nähert sich außerdem der 1933 verstorbenen Gründerin der "Caritas Socialis", Hildegard Burjan, der im Geburtsjahr des hl. Martin verstorbenen Valentina als eine der letzten Märtyrerinnen des Römischen Reiches, der Gründerin der "Schwestern vom Barmherzigen Jesus", der hl. Faustyna, und dem – wie Martinus – widerwillig zum Bischof erhobenen Korbinian im ausgehenden 7., beginnenden 8. Jahrhundert an.

Bilderreise durch das diözesane Bauprogramm
Was die Leserinnen und Leser des Burgenländischen Jahrbuchs 2016 sonst noch erwartet? Etwa Gedanken des evangelischen Journalisten Stefan Janits über Martin Luther und dem evangelischen Zugang zu den Heiligen, eine Bilderreise mit ästhetisch eindrucksvollen Fotos zu restaurierten, baulich erneuerten Kirchen, Sakralbauten und Anwesen, die dank des Bauprogramms der Diözese Eisenstadt in neuem Glanz erstrahlen. Schließlich findet sich ein chronikaler, in Wort und Bild gestalteter Rückblick auf das vergangene Jahr, ein umfassendes Verzeichnis aller Priester, Pfarren und diözesanen Dienststellen mit den jeweiligen Kontaktdaten sowie ein Jahrbuchrätsel mit Teilnahme- und Gewinnmöglichkeit im Rahmen einer Verlosung im Burgenländischen Jahrbuch 2016.

Das Burgenländische Jahrbuch 2016 umfasst 176 Seiten und ist reich bebildert. Franz Josef Rupprecht, Chefredakteur des "martinus", leitete die Redaktion, an der auch Agnes Bubich und Gerald Gossmann mitwirkten. Der Preis wurde erstmals seit 15 Jahren angehoben und beträgt 9,90 Euro. Das Burgenländische Jahrbuch 2016 kann in den Pfarren und am Bischofshof der Diözese Eisenstadt (Tel. 02682/777 247) erworben werden. 

Donnerstag, 26. November 2015

Diözesanjugendmesse "FeelTheDome"

Am Samstag, dem 21. November 2015 fand zum 13. Mal die Diözesanjugendmesse "FeelTheDome" der Katholischen Jugend und Jungschar Burgenland statt. Heuer versammelten sich 1000 junge Leute im Eisenstädter Dom, um gemeinsam einen außergewöhnlichen Gottesdienst zu feiern.

Weil wir Jugendliche in ihrer Lebenswelt erreichen, ihnen eine ansprechende Erfahrung in und mit der Kirche ermöglichen, sowie eine aussagekräftige Botschaft mitgeben wollen, sind ein gut durchdachtes Thema, vielfältige Methoden, farbenfrohe und effektvolle Lichteinstellungen, aktuelle musikalische Klänge und eine jugendgerechte Sprache wesentliche Bestandteile von "FeelTheDome". Ein eigenes Team - bestehend aus hauptamtlichen Mitarbeiter/innen der Jugend und Jungschar und ehrenamtlichen Jugendlichen - widmete sich der intensiven Vorbereitung dieses Gottesdienstes.

Heuer stand die Diözesanjugendmesse unter dem Motto "Hier bin ich Mensch" und hatte Heimat bzw. Heimatlosigkeit zum Thema. Es ging einerseits um die aktuelle Flüchtlingssituation sowie unterschiedliche Formen von Heimatlosigkeit, andererseits sollten die Gottesdienstbesucher/innen zum Nachdenken angeregt werden, wie wichtig für sie selbst ihr Zuhause ist, wo, bei wem, wann sie sich Zuhause fühlen und wie sie dazu beitragen können, dass andere Menschen - die keinen Halt und keine Sicherheit haben - ein Stück Heimat finden. Als Beispiel für jemanden, der anderen Heimat vermittelt und geschenkt hat, war auch der hl. Martin Inhalt des Gottesdienstes.

Dienstag, 24. November 2015

Sprachdiät, Oma Gerti und Pfeffriges: Bischof Zsifkovics präsentiert sein Buch „Von A bis Z“

Diözesanbischof Zsifkovics, Moderatorin Barbara Karlich
und Herausgeber Dominik Orieschnig
Der Eisenstädter Diözesanbischof stellte im Gespräch mit Moderatorin Barbara Karlich und Herausgeber Dominik Orieschnig seine neue Publikation "Von A bis Z. Gott begegnen in der Welt von heute" vor – Bischof Zsifkovics: "Der wahre Ort Gottes ist nicht allein die Amtskirche, sondern das Leben der Menschen. Und dafür braucht es eine neue Sprache am Puls der Lebenswirklichkeit von heute"

Was haben der Scherenschnitt von antiquierten Sprachgirlanden und die Aufforderung zu einer lebensnahen, lebenswirklichen, von musealen Zöpfen diätisch befreiten Ausdrucksweise mit Oma Gertis Volksfrömmigkeit und so manch prophetisch Pfeffrigem gemeinsam? Sie waren allesamt Atemzüge einer ebenso erfrischenden wie geistreichen spirituellen Sauerstoffkur, die Bischof Ägidius J. Zsifkovics dem Verhältnis von Kirche und Welt mit seinem neuen, soeben erschienenen Buch "Von A bis Z. Gott begegnen in der Welt von heute" verpasst. Die Buchpräsentation am Montagabend im Bischofshof war selbst Ausdruck jenes Brückenbaus zwischen dem hemdsärmeligen "Mitten-im-Leben" und der Einwurzelung im Transzendenten. Und das "Pfeffrige" kam nicht zu kurz.

Zwischen "Café 1930" und "Night Club"
Bischof Zsifkovics las ausgewählte Passagen aus seinem neuen Buch, die bekannte TV-Moderatorin und – ebenso wie der Diözesanbischof selbst – Burgenlandkroatin Barbara Karlich führte durch die Präsentation, Buchherausgeber Dominik Orieschnig, Bischöflicher Sekretär und Pressesprecher der Diözese Eisenstadt, leuchtete einige Hintergründe zur Entstehung des Werks aus und rekonstruierte dessen Ideengerüst. Spitzen-Klarinettist Alexander Neubauer, Mitglied der Wiener Symphoniker, streute gemeinsam mit Schwester Kerstin Neubauer, mehrfach preisgekrönte Solistin und Professorin für Gitarre, musikalische Rosen, gepflückt im Zeit-Klang-Raum zwischen Astor Piazzollas "Café 1930" und seinem "Night Club".

Diätischer Verzicht als Bereicherung
Wie lässt sich nun die Bedeutung eines modernen christlichen „A bis Z“ verorten? "Ich will damit aufzeigen, dass der wahre Ort Gottes nicht allein die Amtskirche ist, sondern das Leben der Menschen. Und dafür braucht es eine neue Sprache, die das Museale abschüttelt und die Menschen direkt am Puls ihrer Lebenswirklichkeit von heute erreicht", so Bischof Zsifkovics bei der Buchpräsentation. Die Kirche müsse sich zu einer solchen "Sprachdiät" durchringen, dann "werden vielleicht auch wieder mehr Menschen zu einer neuen Lebensgestaltung bereit sein – zur persönlichen Diät, zum Verzicht auf Unnötiges, auch auf die Sünde".

Immanenz und Transzendenz: Zwei Flügel einer Lunge
Transzendenz und Immanenz dürften nie gegeneinander ausgespielt werden, beide seien vielmehr wesenhaft derart verzahnt, dass ein Sich-Einlassen und Sich-Öffnen für das eine zugleich und in einem Zug die Gelassenheit bzw. das Eingelassen-Sein im anderen bedeute. "Das eine ist ohne das andere nichts wert. Und Lebensnähe führt unweigerlich dazu, dass gläubige Menschen Grenzen überschreiten – hin zu anderen Menschen, hin zu anderen Ländern, aber auch hin zu anderen Religionen, vor allem aber hin zu unseren Mitchristen in anderen Konfessionen", betonte der Bischof. Die beiden Lungenflügel der Immanenz und Transzendenz, der lebensweltlichen Erdung und der lebensspendenden Grundbezogenheit, hauchen somit der Ökumene, ja allem Dialogischen und aufgeschlossenen Begegnen den initiierenden Atem ein.

Oma Gerti gibt den Weg vor
Und die "Oma Gerti"? Sie ist die namentliche Würdigung einer herzbetonten Volksfrömmigkeit, die "vielleicht doch mehr weiß als die Theologen und Philosophen, zumindest dann, wenn sie der Gefahr einer Verkopfung des christlichen Glaubens oder eines intellektuellen Machismo" erliegen, so der Bischof. Eine solche "Volksfrömmigkeit", der Bischof Zsifkovics im Namen der "Oma Gerti" huldigt, ist nicht das Schrebergärtchen, das sich vor der Geistestiefe einzäunt und verschließt. Es ist jene "Vernunft des Herzens", die zwischen lebensfremdem Wortschwall und professoralem Hochmut wie zwischen Skylla und Charybdis mit atemberaubender Gelassenheit hindurchschifft.

"Pfeffriges" und "Tacheless"
Dass diese Gelassenheit, die schon der von Diözesanbischof Zsifkovics oft und gerne zitierte Meister Eckhart als den Doppelschwung von Loslassen vom Unwesentlichen im Einlassen auf das Wesentliche benennt, nichts mit Gleichgültigkeit und Indifferenz zu hat, wurde mit den "pfeffrigen" Schlussakkorden der Präsentation deutlich. Nicht nur, weil Kerstin Neubauer eine eigenkomponierte Gewürztonmischung namens "S’Pfeffrige" zum Besten gaben. Da war von prophetischer Pfeffrigkeit, von einem kathartischen Tacheless die Rede, wenn im Rückgriff auf Papst Franziskus vor der Gefahr eines "spirituellen Alzheimers" oder einer "Schizophrenie des Doppellebens", ob nun im "Innerkirchlichen" oder im "Innerweltlichen", gewarnt wurde.

Im Wahr-Nehmen des Kleinsten Größtes vermögen
Mit einem Dankgebet für Papst Franziskus, das mit einem schlichten "Schlafgut" für den Bischof von Rom abschließt und gerade in dieser Schlichtheit die Tugend offenbart, in der Wahrnehmung auch des Kleinsten das Größte zu vermögen, bedankte sich Bischof Zsifkovics zugleich für das Kommen der vielen Gäste – darunter auch Abt Paisios vom österreichweit ersten, in St. Andrä am Zicksee geplanten orthodoxen Kloster, Superintendent Manfred Koch von der evangelischen Diözese Burgenland, Altbischof Paul Iby, Pater Karl Schauer aus Mariazell, viele Entscheidungsträger des Landes und natürlich Gertrude Zsifkovics, die stolze Mutter des Eisenstädter Diözesanbischofs.

"Von A bis Z. Gott begegnen in der Welt von heute"
Der Titel ist Programm: "Von A bis Z. Gott begegnen in der Welt von heute" heißt das neue Buch des Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, das Anfang November erscheint. Von A bis Z buchstabiert der Bischof der Martinsdiözese, der zugleich Europabischof und Bischof für die Roma und Sinti in Österreich ist, den Kern des Christseins aus. Erfrischend modern, lebendig und unkompliziert ist seine Sprache, die das Verstaubte und Museale eines antiquierten Glaubensvokabulars mit viel Schwung, Kreativität und Humor, aber vor allem mit einem feinen Sensorium für die Lebenswirklichkeiten der Menschen abschüttelt.

Von "Anti-Aging" bis "Zukunft"
"Die Kirche muss die Menschen in ihren heutigen unmittelbaren Lebenswirklichkeiten persönlich und emotional erreichen. Wir werden nicht gefragt, ob wir bereit sind, den Sprung in das Hier und Heute zu machen. Wir müssen ihn machen, weil es die Höhe der Zeit verlangt", bringt Bischof Zsifkovics die Notwendigkeit und das Notwendende eines Brückenschlags von Kirche und Welt auf den Punkt. Genau um diesen Brückenschlag geht es in dem Buch, wenn von A wie "Anti-Aging", "Angst" und "Auferstehung" bis Z wie "Zoo" und "Zukunft" auf durchwegs unkonventionelle Weise die Präsenz des Göttlichen in der Welt in einem zeitgemäßen Alphabet erschlossen und erspürt wird.

Buchinfo:
Ägidius J. Zsifkovics: Von A bis Z. Gott begegnen in der Welt von heute
Hrsg. Dominik M. Orieschnig
Künstler: Heinz Ebner
2015 Tyrolia
240 Seiten
11 doppelseitige farb. Abb.
Preis: 24,95 EUR

Freitag, 20. November 2015

Muslimische Integrationsexpertin: "Demokratie aus dem Islam begründbar"


Amani Abuzahra, Dozentin der Philosophie und Interkulturellen Pädagogik, im Gespräch mit Dominik Orieschnig, Bischöflicher Sekretär und Pressesprecher der Diözese Eisenstadt, bei der Jahrestagung des Forums Katholischer Erwachsenenbildung in Eisenstadt über "Emotionalisierung und Polarisierung im Spannungsfeld des religiösen Lebens der Gegenwart" – Abuzahra: Kulturelle und religiöse Vielfalt "nicht nur aushalten, sondern auch dahinterstehen"

Demokratie ist mit dem Islam nicht nur vereinbar, sondern lässt sich auch aus einer islamischen Position begründen: Davon zeigt sich die muslimische Philosophin und Expertin für Integration und Partizipation, Amani Abuzahra, im Gespräch mit dem Leiter des Bischöflichen Sekretariats und Pressesprecher der Diözese Eisenstadt, Dominik Orieschnig überzeugt. "Der Vorwurf, Islam und Demokratie seien miteinander nicht vereinbar, widerspricht der Praxis, weil viele Muslime vor autoritären Systemen in demokratische Gesellschaften in der Hoffnung auf ein friedliches Leben im freien Miteinander fliehen. Demokratie und Menschenrechte lassen sich aber auch theologisch aus dem Islam begründen", so Abuzahra.

"Religion kommt durch die Menschen zum Leben"
Die Dozentin für Philosophie und Interkulturelle Pädagogik an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien sprach als Referentin der Jahrestagung des Forums Katholischer Erwachsenenbildung über "Emotionalisierung und Polarisierung im Spannungsfeld des religiösen Lebens der Gegenwart". Es gebe nicht "den einen Islam, sondern die Religion kommt durch die Menschen zum Leben. Auch in Österreich ist der Islam kein homogenes Gebilde, sondern sehr pluralistisch und je nach kulturellem und sozialem Kontext, Bildungshintergrund, ethnischer Zugehörigkeit und anderer Aspekte unterscheiden sich Musliminnen und Muslime sehr deutlich voneinander, auch wenn sie ihr gemeinsames Bekenntnis zum Islam eint", betont Abuzahra.

Menschenrechtsverletzungen mit Islam unvereinbar
Es gehe weniger darum, sich Gedanken über einen möglichen "Austro-Islam" im Sinne einer spezifischen Ausprägung des Islam in der österreichischen Gesellschaft zu machen, als das Heimischwerden der Musliminnen und Muslime zu bestärken: "Der Islam in Europa und in Österreich ist ein gesellschaftliches Faktum. Wichtig ist, dass sich Musliminnen und Muslime die hiesige Gesellschaft als ihre Heimat begreifen, sich der Verfassung und den Menschenrechten verpflichtet fühlen. Dabei gilt es, das Bewusstsein zu stärken, dass Menschenrechte eine Verankerung im religiösen Kontext des Islam selbst haben" und somit die Verletzung von Menschenrechten mit dem Islam nicht vereinbar sei, wie die Integrationsexpertin ausdrücklich erklärt. "Musliminnen und Muslime wollen in erster Linie in Frieden und damit in einer Gesellschaftsordnung, die Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität ermöglicht und befördert, leben. Der Vorwurf, Islam und Demokratie seien nicht vereinbar widerspricht der praktischen Wirklichkeit und Tatsache, dass viele Menschen aus repressiven, autoritären, unfreien Staaten wie Syrien oder Afghanistan fliehen, um in einer freien, auf Menschenrechten basierenden Gesellschaft leben zu können", so Abuzahra. Menschenrechte seien ein existenzielles Gut, "das auch aus dem Islam selbst begründbar ist".

Vielfalt: "Dahinterstehen, nicht bloß aushalten"
Sie selbst wünsche sich von der österreichischen Gesellschaft und ihrer zukünftigen Entwicklung, dass "Vielfalt nicht nur Gegenstand der Diskussion, sondern gelebte Praxis und Normalität wird. Die Gesellschaft sollte sich dahingehend entwickeln, dass Vielfalt, Pluralität, Verschiedenheit und die Anerkennung von Minderheiten nicht nur ausgehalten, sondern als Wert begriffen werden". Es gehe also nicht nur darum, Vielfalt "auszuhalten", sondern "dahinterzustehen" und "zu leben", sagt die Philosophin.

"Kultur der Stille" als Korrektiv zu Emotionalisierungen
Angesichts eines mitunter emotionalisierenden und polarisierenden Diskurses über religiöse Sinn- und Bedeutungszusammenhänge brauche es die Rückbesinnung auf eine ausgleichende "Kultur der Stille": "Emotionen sind ambivalent. Sie können Begegnungen zwischen Menschen fördern, aber auch verhindern. Eine Kultur der Stille ermöglicht die Rückbesinnung, die Reflexion und bewusste Wahrnehmung auf das Spannungsfeld vielfältiger Emotionen, ob positive wie etwa Vertrauen, oder negative wie etwa Ängste oder Wut. Im Umgang mit der Tendenz zu Emotionalisierungen und Polarisierungen müssen wir einerseits den Blick auf uns selbst schärfen und den eigenverantwortlichen, selbstbestimmten Umgang mit emotionalen Erfahrungen und Betroffenheiten stärken. Andererseits braucht es konkrete, gelebte Orte der zwischenmenschlichen Begegnung, um das Gefühl des Fremdseins abzubauen", so Abuzahra.

Zuspruch für öffentliches Engagement als Muslimin
Differenziert beurteilt sie das vielfach diskutierte und in diesem Jahr implementierte Islamgesetz, das die Rechte und Pflichten der Musliminnen und Muslime in Österreich auf eine neue rechtliche Basis stellt: Österreich spiele angesichts der gesetzlichen Anerkennung des Islam eine "Vorreiterrolle, die man auch europaweit hinaustragen kann". Andererseits empfinden viele Musliminnen und Muslime einzelne Bestimmungen als Benachteiligung und Ungleichbehandlung gegenüber den Rechtsrahmen für andere religiöse Gemeinschaften.

Für ihre engagierte Positionierung in der Öffentlichkeit, für ihre elaborierte Teilhabe am öffentlichen Diskurs, und zwar sowohl zu Anliegen des Islam im Allgemeinen als auch zu Interessen, Perspektiven, Fragen, Rechten, Anliegen muslimischer Frauen sowie Minderheiten- und Integrationsthemen im Speziellen, erfahre sie in der muslimischen Gemeinschaft weitestgehend "Zustimmung und Zuspruch": "Viele ermutigen mich und sagen, wir bräuchten mehr muslimische Frauen, die im öffentlichen Raum ihre Stimme erheben und Stellung beziehen", sagt Amani Abuzahra im Gespräch mit Dominik Orieschnig. 

Ich bin unschlagbar!

Kampagne der Katholischen Jungschar ruft Gewaltverbot in Erinnerung

Keine Toleranz bei Gewalt gegenüber Kindern fordert die Katholische Jungschar Österreichs anlässlich des Jahrestages der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November. "In Österreich ist jegliche Form der Gewaltanwendung in der Erziehung von Kindern verboten. Seit 2011 steht dieses zentrale Kinderrecht sogar im Verfassungsrang und trotzdem rechtfertigen Personen tagtäglich Übergriffe auf Kinder als Erziehungsmittel. Keinem Kind darf körperliches oder seelisches Leid zugefügt werden", stellt Anneliese Schütz, Bundesvorsitzende der Katholischen Jungschar Österreichs klar.

Wie sehr Kinderrechte auch in Österreich tagtäglich verletzt werden, zeigt sich gerade beim Thema Gewalt gegen Kinder. Im vergangenen Jahr feierte auch das gesetzliche Verbot von Gewalt in der Erziehung in Österreich sein 25-jähriges Bestehen. Doch auch nach einem Vierteljahrhundert weiß mehr als ein Drittel der Erwachsenen nichts von diesem Verbot, wie die Studie "Das Recht auf eine gewaltfreie Kindheit – 25 Jahre gesetzliches Gewaltverbot – eine Zwischenbilanz" des BMFJ und der Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs zeigt. Außerdem ist etwa jede/r Dritte der Ansicht, eine Ohrfeige habe noch keinem Kind geschadet. Ein "kleiner Klaps" ist sogar für fast die Hälfte der befragten Personen immer noch ein voll oder teilweise adäquates Erziehungsmittel. Die breiteste Zustimmung als gebilligte Erziehungsmittel erfahren Böse sein, tadeln, schimpfen und schreien.

Die Katholische Jungschar will mit ihrer alljährlichen rund um den 20. November in allen Bundesländern laufenden Bewusstseinskampagne Menschen erreichen, denen die Tragweite der Kinderrechte noch nicht klar ist: "Wir stehen auf der Seite der Kinder und wollen ihre Rechte dort einfordern, wo Kinder selbst nicht gehört werden. Die Kinderrechte sind Pflichten der Erwachsenen gegenüber den Kindern. Viel zu oft wird im alltäglichen Miteinander das Kind nicht als Subjekt, als Gegenüber auf Augenhöhe behandelt", sagt Anneliese Schütz.

Der diesjährige Schwerpunkt liegt auf dem Artikel 19 der Kinderrechtskonvention, dem absoluten Gewaltverbot, "da vielen Menschen nicht klar ist, dass auch ein ‚harmloser Klaps‘, verbale Demütigung oder Liebesentzug das Kind verletzen und das Vertrauensverhältnis zwischen Kind und Erwachsenen nachhaltig beschädigen. Erziehung bedeutet bewusste Auseinandersetzung, nicht Zwang und schon gar nicht Gewalt", führt Anneliese Schütz weiter aus.

Rund um den 20. November werden ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter/innen der Katholischen Jungschar in ganz Österreich Infomaterial und kleine Geschenke verteilen. Uhrzeiten und Orte können unserer Website entnommen werden: http://www.jungschar.at/lobby/kinderrechte/verteilaktion-zum-20-november/

Montag, 16. November 2015

"Wer A sagt ...": Bischof Zsifkovics leitet nun auch neues Referat "Flucht, Migration und Integration" der Österreichischen Bischofskonferenz

DSC_0332Neuer Bereich kirchlicher Hirtensorge soll einer der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit Rechnung tragen – Eisenstädter Bischof wird nach Betrauung mit kirchlichen Asylagenden auf EU-Ebene nun auch für die Kirche in Österreich die Flüchtlingsthematik in den koordinierenden Blick nehmen – Ägidius Zsifkovics: "Bin nicht Superman, habe aber eine dicke Haut und eine deutliche Sprache."

Er war die treibende Kraft für das starke Engagement kirchlicher Einrichtungen im Burgenland bei der Beherbergung von Menschen auf der Flucht; Ende Oktober wählten ihn die EU-Bischöfe zu ihrem "Flüchtlingskoordinator“; beim Martinsfest der Diözese Eisenstadt am 11. November haben ihn Flüchtlinge bei der Festmesse im randvollen Martinsdom "kalt erwischt" mit einer berührenden Danksagung für sein Flüchtlingsengagement; nun hat ihm die Österreichische Bischofskonferenz auf ihrer am vergangenen Freitag zu Ende gegangenen Herbstvollversammlung auch noch das brandneu geschaffene Referat "Flucht, Migration und Integration" zur Leitung anvertraut: Das Thema "Flüchtlinge" und mit ihm eine der größten Herausforderungen unserer Zeit scheint sich immer mehr zu einer der Signaturen des Bischofs von Eisenstadt zu entwickeln, der selbst am Eisernen Vorhang aufgewachsen, in weit bemessenen Räumen sprachlicher, kultureller und bildungsmäßiger Vielfalt sozialisiert worden ist, und der nicht müde wird zu betonen, dass auch Jesus ein Flüchtling gewesen sei und das Thema Flucht und Migration in allen Weltreligionen eine zentrale Rolle spiele.

Neues Referat "Flucht, Migration und Integration": Keine Patentrezepte, aber aufmerksames Beobachten und Setzen starker Impulse
"Weil Flucht, Migration und Integration zu den großen Herausforderungen unserer Zeit zählen, hat die Bischofskonferenz dafür einen neuen Aufgabenbereich festgelegt und den Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics damit beauftragt" – mit diesen Worten kündigte die Österreichische Bischofskonferenz Ende vergangener Woche die neuen Agenden an. Dass es dankbarere Aufgaben gibt, stellt Bischof Zsifkovics in einem Interview in der aktuellen Wochenendausgabe von DER STANDARD gar nicht in Abrede, sondern sieht es pragmatisch: "Nachdem ich als Bischof von Eisenstadt durch die Ereignisse und den großen Ansturm beim Grenzübergang Nickelsdorf schon sehr tief in der Materie drinnen bin, war es naheliegend, dass man auf mich zurückgreift." Tatsächlich kennt der Bischof die Themen und Problemfelder, die auf ihn nun auf Österreichebene warten, bestens aus der Erstbegegnung mit dem Migrationssturm an der eigenen Diözesangrenze: Zu wenig Grundversorgungsplätze für AsylwerberInnen, sodass immer mehr Menschen auf der Flucht von Obdachlosigkeit betroffen sind; unzureichende Unterbringungs- und Betreuungsmöglichkeiten für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge; Schaffung winterfester Notunterkünfte für jene Flüchtlinge, die auf der Durchreise sind; die Forderung nach fairen, qualitätsvollen und raschen Asylverfahren sowie der effektiven Bekämpfung von Schlepperei und Menschenhandel.

Öffentliche Ordnung und gelingende Integration als zweite Seite der Medaille
Besonderes Augenmerk wolle Bischof Zsifkovics in seiner neuen Aufgabe darauf legen, "dass im öffentlichen Diskurs zwischen Asyl und Migration unterschieden wird. Das ist nämlich die andere, nicht minder wichtige Seite der Medaille. Gerade weil Menschen aus dem Chaos flüchten und bei uns Sicherheit suchen, ist die Aufrechterhaltung der rechtsstaatlichen Ordnung in unserem Land für die Politik unabdingbare Verpflichtung – bei aller Sensibilität, die diese Pflicht des Staates erfordert", so Bischof Zsifkovics, der wiederholt erklärt hat, "kein Freund von Zäunen" zu sein. Die Kirche müsse immer wieder in Erinnerung rufen, "dass aus der Quartierkrise von heute nicht die Integrationskrise von morgen" werden darf. Spracherwerb, Bildung und Zugang zu Arbeit seien wichtige Voraussetzungen für eine gelingende Eingliederung in die Gesellschaft, wobei Asylsuchende wie auch Zuwanderer die unbedingte Geltung der Menschenrechte und die demokratische Verfassung in Österreich anerkennen müssten. "Dazu zählen besonders Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und die gleichberechtigte Stellung von Mann und Frau. Ziel der Integration muss die gemeinsame Liebe zu Österreich sein, die die Menschen in diesem Land verbindet", so die Bischofskonferenz in ihrer Presseerklärung nach der Herbstvollversammlung.

Flüchtlinge danken Eisenstädter Bischof persönlich für Aufnahme
So nüchtern Ägidius Zsifkovics die Dinge auch anzugehen und auszusprechen scheint: Am Martinstag war es vor allem für Freunde und MitarbeiterInnen des Bischofs berührend zu sehen, wie menschlich nah ihm die Dankesworte gingen, die im Eisenstädter Dom von den syrischen Asylwerbern Khajik Kawafian und Abdulhadi Briman stellvertretend für die vielen anderen gesprochen wurden, die in den vergangenen Monaten in der Diözese Eisenstadt ein Dach über dem Kopf gefunden haben. "Sie haben uns in Eisenstadt aufgenommen – dafür sind wir Ihnen sehr dankbar!" Khajik, ein armenischer Christ aus Aleppo, und Abdulhadi aus Homs feierten anschließend mit burgenländischen Christen das Martinsfest und teilten nach dem Gottesdienst mit dem Bischof vor der Kirche ein "Martinskipferl". Was als schöner Brauch des Teilens nett anzusehen ist, ist vor dem Hintergrund der Realität einer zunehmend als "Völkerwanderung" apostrophierten Migrationsbewegung aus Regionen des Nahen Ostens und Afrikas zum brisanten Symbol einer Situation geworden, in der die Beantwortung der Frage nach dem Teilen – von Rechten und Ressourcen, von Lebensraum und Freiraum, von Zeit und Zuwendung – die Gesellschaft und das politische System in Europa auf einen zivilisatorischen Prüfstand stellt. Ein Prüfstand, auf dem "die europäische Karosserie", wie Bischof Zsifkovics sagt, "ohne den Motor der Spiritualität, der Solidarität und der Barmherzigkeit nicht weiter vom Fleck kommt, sondern zur lahmen Ente zu werden droht". Wird Europa es schaffen, sich seines großen Heiligen aus der Zeit der Völkerwanderung, Martin von Tours, zu entsinnen und die Bereitschaft aufbringen, genügend "Martinskipferln" zu teilen? Und warum teilt man in Eisenstadt offensichtlich bereitwilliger? Ein verstorbener Papst und ein lebender Wissenschaftler geben darauf eine mögliche Antwort.

Eine Diözese als "Brücke" und als europäischer "Barometer"
Als Johannes Paul II. 1988 die Diözese Eisenstadt besuchte, war Ägidius Zsifkovics ein junger, spindeldürrer Priester, als Zeremoniär des damaligen Eisenstädter Bischofs Stefan László von seinem Chef damit beauftragt, den Besuch des Pontifex liturgisch vorzubereiten. Der damalige Aufruf des Papstes an die Katholiken des Burgenlandes, geistig-geistliche "Brücke zum Osten" zu sein, hat sich in Ägidius Zsifkovics tief eingeprägt. Ein Jahr später kam es zum Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs. Die Worte des später heiliggesprochenen Karol Wojtila hatten etwas Prophetisches an sich gehabt. "Ich kann mit Fug und Recht sagen", so Ägidius Zsifkovics in Erinnerung an seine Leseübungen mit Johannes Paul II., "dass ich einem Heiligen beigebracht habe, die Worte der Messe auf Kroatisch und auf Ungarisch korrekt auszusprechen – ich hätte mir aber nie gedacht, dass sich der Aufruf diese Mannes, Grenzen zu überwinden, einmal so sehr über meine eigene Person und Lebensenergie artikulieren würde", so der heutige Eisenstädter Bischof mit einem verschmitzten Lächeln. Denn die Rede von der Brückenfunktion hat Ägidius Zsifkovics in seiner 5-jährigen Amtszeit als Bischof von Eisenstadt schweißtreibend-wörtlich genommen: sei es die Pflege intensiver Beziehungen zu den Bischöfen osteuropäischer Diözesen; sei es der regelmäßige Austausch mit politischen Entscheidungsträgern und Diplomaten östlicher Nachbarländer; sei es die Freundschaft mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel und der Orthodoxen Kirche und ihrer ostkirchlichen Tradition; sei es der hemdsärmelig-pragmatische Umgang mit den Migrationsströmen aus Regionen des Nahen Ostens – die Diözese Eisenstadt ist auf dem besten Weg, sich aus einer Position des Beschaulichen weiter zu entwickeln zum Katalysator weit ausstrahlender Prozesse zwischen Ost und West im Geiste des Evangeliums: Als vergleichsweise sehr junge, mehrsprachige und multikulturelle Diözese liege sie "an der Nahtstelle zwischen dem Westen und Osten in Europa. Sie ist zwar nicht groß, aber was auch in Europa passiert: Sie spürt es schnell und deutlich", so der Paderborner Pastoraltheologe und Experte für kirchliche Change-Prozesse Christoph Jacobs, der Bischof Zsifkovics und die Diözese dabei unterstützt hat, einen synodalen Prozess im Burgenland einzuleiten, um auch innerhalb der diözesanen Grenzen einen nachhaltigen Brückenschlag zu vollziehen: hin zu einer neuen, den Lebenswelten heutiger Menschen Rechnung tragenden Pastoral, die sich von sklerotischen Strukturen, veralteten Mustern unreflektierten Gewohnheitschristentums und von unerfüllbaren Versorgungserwartungen eines säkular unterwanderten Wohlstandkatholizismus verabschiedet und andockt an das Engagement begeisterungs- und teamfähiger Christen. "Zeitgenossenschaft" als Charisma einer Diözese und ihre Fähigkeit, gesellschaftliche Umbrüche in spirituelle Aufbrüche zu transformieren.

Zsifkovics privat: "Manchmal ganz schön anstrengend, Brückenpfeiler zu sein"
Im Interview mit dem Büro für Kommunikation und Information der Diözese Eisenstadt kurz nach der Betrauung mit der neuen Österreich-Aufgabe lässt der Bischof ungewöhnlich tief blicken: "In dieser intensiven Kumulation drücken die vielen heiklen Verantwortungen schon sehr auf meine Schultern. Über eine solide gebaute Brücke gehen, ist eine bequeme Sache; an der Brücke aber selbst mitzubauen und auch noch Brückenpfeiler zu sein, kann manchmal doch ganz schön anstrengend sein. Ich bin schließlich nicht Superman!" Aber dann denke er wieder daran, "welche Lasten der heilige Papst Johannes Paul II. in seinem Leben bewegt hat. Und dann wird mir mit meinen vergleichsweise kleinen Aufgaben wieder leichter ums Herz und ich sage mir: Ich bin nur ein Werkzeug höherer Zusammenhänge und es wird schon alles seine Bedeutung gehabt haben: dass ich am Eisernen Vorhang aufgewachsen bin, als Kind einer Minderheiten-Volksgruppe und frommer Eltern, die in mir das Sensorium dafür geweckt haben, dass es für Gottes Liebe keine Grenzen gibt; und dass ich heute mit dieser seelischen Grundausstattung in diese schwierigen kirchlichen Funktionen mehr oder weniger hineinfalle – und es mit meinem Glauben und meiner dicken Haut irgendwie schaffe, manche Dinge auszugleichen, Antagonismen zu entschärfen, gesellschaftliche Bruchstellen zu überbrücken. Aber: Ohne das klare Wort zur rechten Zeit geht gar nichts!", so Bischof Zsifkovics, der sich nach der Tragödie auf der burgenländischen A4 mit 71 toten Flüchtlingen in einem LKW im August dieses Jahres in aller Schärfe an die europäische Politik gewandt hatte.

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