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Freitag, 4. Oktober 2013

„Seht, ich mache etwas Neues!“ Diözese Eisenstadt beschreitet neuen pastoralen Weg

Ein neues Konzept soll eine verlässliche Perspektive für die zukünftige pastorale Arbeit in den Pfarren bieten. Details dazu erläutert Pastoralamtsleiter Michael Wüger im Gespräch mit dem „martinus“ (Nr. 40 vom 6. Oktober 2013).

Dieses Bild kennen wir alle: leere Kirchenbänke bei den Sonntagsgottesdiensten, müde gewordene ehrenamtliche Mitarbeiter, überforderte Priester. Ein trauriges Bild für jene, die pfarrliches Leben noch „aus besseren Zeiten“kennen. Von dieser Erfahrung geprägt ist leider auch die pfarrliche Pastoral der vergangenen Jahre. Mit einem neuen pastoralen Weg will sich die Diözese Eisenstadt in den nächsten Jahren von dieser „Pastoral der Erschöpfung“verabschieden. Als „Motivator“für diesen neuen Weg hat Bischof Ägidius Zsifkovics den deutschen Pastoraltheologen Christoph Jacobs ins Boot geholt. Im Rahmen eines Theologischen Tages hat der erfahrene Universitätsprofessor kürzlich erstmals vor einem breiten Publikum seine Bestandsanalyse der aktuellen pastoralen Situation abgegeben und die Grundpfeiler für einen zukunftsweisenden neuen pastoralen Weg abgesteckt. Als wichtigste Eckpunkte sieht der Pastoraltheologe die Partizipation der Gläubigen, den verantwortungsbewussten Umgang mit vorhandenen Ressourcen und die Gründung neuer Gemeinschaften. Schon in den 1950er und 60er Jahren habe sich eine tiefgreifende Veränderung in der Gesellschaft abgezeichnet, auf die die Kirche bislang nur unzureichend reagiert habe, so Jacobs. Im Mittelpunkt dürfe weiterhin nicht mehr die Pfarre als Struktur stehen, sondern Jesus Christus: „Gott selbst ist es, der unsere Verhältnisse gründlich aufmischt, um uns auf Neuland zu locken.“

Neue Zugänge zum Glauben. Pastoralamtsleiter Michael Wüger teilt die Analyse des deutschen Theologen. Als Pfarrer einer typischen ländlichen Pfarre orte auch er heute drei Gruppen von Gläubigen: „Da sind die traditionellen Kirchgeher, also die Gläubigen vor Ort. Dann gibt es die Pilger –jene, die nur zu bestimmten Anlässen in die Kirche kommen. Hierzu zählen auch viele Mariazellpilger. Und dann gibt es die Gruppe der Menschen auf dem Bekehrungsweg.“Im Vergleich zu früher habe sich also die Art und Weise, wie Menschen ihren Glauben suchen, finden und leben wesentlich verändert. Um diesen Veränderungen Rechnung zu tragen, bedürfe es nun neuer Wege –in denen auch jeder Gläubige seinen Auftrag und seinen Anteil am allgemeinen Priestertum erkennt. „Letztendlich geht es um die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils“, so Wüger. „Es ist die Umsetzung einer kooperativen Pastoral, wo die Getauften ihre Charismen und Dienstleistungen einbringen und die Priester in ihrer seelsorgerlichen Arbeit kooperieren.“

Kleine Gemeinschaften. Konkret sollen dem neuen pastoralen Weg zufolge zwar auch zukünftig die Pfarren strukturell bestehen bleiben. Belebt sollen diese jedoch durch spirituelle oder diakonische kleine Gemeinschaften werden, wünscht sich der Pastoralamtsleiter. Gemeinschaften, die entweder nur zeitlich begrenzt entstehen können, wie etwa eine Gemeinschaft rund um eine Erstkommunionvorbereitung. Oder aber auch fixe Gemeinschaften. Dies entspreche der Realität der Gesellschaft, so Wüger: „Menschen bewegen sich zwar einerseits in immer größer werdenden Räumen, andererseits wächst gleichzeitig die Sehnsucht nach kleinen funktionierenden Gemeinschaften.“Der Knackpunkt des ganzen Unternehmens sei die Frage: „Wie gründen freie Menschen neue stabile und flüchtige Gemeinschaften des Glaubens unter der Bedingung, dass Leben immer an Orten konkret wird?“

Zeitlicher Weg. Zeitlich ist der neue pastorale Weg auf die nächsten zehn Jahre ausgelegt. Bis 2023 sollen etwa 42 Seelsorgeräume umgesetzt sein, so der Plan. Eine diözesane Arbeitsgruppe wurde bereits eingerichtet. Auch die Dechantenkonferenz hat sich bereits mit dem neuen Plan auseinander gesetzt.

Geistlicher Weg. In den nächsten Monaten soll anhand von Klausurtagungen auf Dekanats- und Diözesanebene eine geistliche Vergewisserung stattfinden, die Trägerschaft der Pastoral aller Getauften betont und die Rahmenbedingungen eines Seelsorgeraumes geklärt werden. Die geografische Einteilung für die Seelsorgeräume, die man bereits vor einigen Jahren getroffen habe, diene als Grundlage, die „man sich aber nochmal anschauen muss“, so Wüger. Wichtig ist ihm, dass es immer um einen „geistlichen Weg“geht, auf dem die Menschen vertrauen dürfen, dass Jesus Christus hinzukommt und mitgeht. Er soll stark im Gebet getragen werden. „Der Heilige Geist soll uns den Weg weisen.“

Partizipation. Nach der Auswertung der Ergebnisse gilt es dann im kommenden Jahr, gemeinsam mit den Menschen in den Pfarren einen pastoralen Weg zu erstellen, der für den jeweiligen Seelsorgeraum gilt. Dort soll konkret festgelegt werden, wie die einzelnen vier Grundfunktionen der Kirche –Verkündigung, Gottesdienst, Dienst am Nächsten und Dienst an der Gemeinschaft –umgesetzt werden. Welche Gemeinschaften sollen neu gegründet werden, wie kann man diese vernetzen? Auf welchen finanziellen Beinen steht dies?
„Natürlich muss man auch die sonntägliche Gottesdienstordnung klären, aber nicht als erstes“, betont der Pastoralamtsleiter. Soll heißen: Der Fokus der Pastoral wird nicht mehr allein auf dem sonntäglichen Messbesuch liegen, wie man jetzt vielerorts den Eindruck hat. „Erst wenn dieser Plan fertig und diese Fragen geklärt sind, gibt es ein Erhebungsdekret zum Seelsorgeraum“, erklärt Wüger und gesteht gleichzeitig ein, dass es genau in diesem Punkt in der Vergangenheit Versäumnisse gegeben habe.

Aus- und Weiterbildung. Eine wichtige Grundlage für die Umsetzung des Prozesses sieht der Pastoralamtsleiter nicht nur in der Meinungsbildung durch „viel Kommunikation“mit den Menschen der Diözese, sondern auch in der Aus- und Weiterbildung aller in der Pastoral tätigen Menschen –Priester und Laien gleichermaßen. Denn sie müssen ihre Arbeit mehr denn je den neuen Anforderungen anpassen, die da sind: Wie leben und arbeiten die Priester in Zukunft? Wie entwickelt sich der Dienst der Diakone? Was sind die Aufgaben der Pastoralassistent/innen? Wie werden die Orden eingebunden? Wie fördern wir die Ehrenamtlichen?

Großes Ziel. Dass die Umsetzung des neuen pastoralen Weges ein großer Brocken ist, darüber sei man sich seitens der diözesanen Leitung sehr wohl im Klaren, so Wüger. „Wenn ich sage, dass wir in zehn Jahren 40 Seelsorgeräume umsetzen wollen, meinen manche, ich sei naiv“, erzählt der Pastoralamtsleiter aus ersten Gesprächen.
„Aber weiter zu tun wie bisher und einfach Löcher zu stopfen, kann nicht die Lösung sein.“

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