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Montag, 11. Februar 2013

Fastenhirtenbrief 2013 von Bischof Ägidius J. Zsifkovics


Liebe Diözesanfamilie!
Schwestern und Brüder im Herrn!

Das Evangelium zum heutigen ersten Fastensonntag berichtet von den drei Versuchungen, mit denen der Teufel Jesus verführen will. Drei Gedanken sind es, mit denen der Versucher die existentielle Grundsituation des Gott-Menschen Jesus herausfordert. Und drei Antworten aus der Heiligen Schrift sind es, mit denen Jesus die Anfechtungen abschmettert. Dabei lässt sich Jesus auf keinen philosophischen Diskurs mit dem Widersacher ein. Er gibt ihm keine Gelegenheit, ihm den Gedanken im Kopf und das Wort im Mund zu verdrehen. Denn Jesus weiß, was für den Menschen gut ist.

Da ist zunächst die Brot-Versuchung. Sie sagt: „Hilf Dir selbst! Nimm die Sorge um Dein Dasein in die eigenen Hände!" Doch Jesus weiß, dass zum Leben nicht nur Brot, sondern Gott notwendig ist.

Dann stellt der Versucher die Macht-und-Besitz-Frage: „Wäre es nicht schön, über allen anderen zu stehen?" Doch Jesus lehnt auch die Macht und die Verfügung über andere Menschen ab. Er weiß, dass das menschliche Dasein nicht vom Menschen gemacht werden kann, sondern von Gott stammt.

Zuletzt probiert der Teufel die Schutz-Versuchung aus. Sie ist das verlockende Angebot völliger Sicherheit eines Daseins ohne Schmerz und Einschränkung. Doch Jesus stellt Gott nicht auf die Probe. Sein Glaube an den Vater benötigt keinen Beweis.


Diese drei Versuchungen sind keine literarische Erfindung des Evangelisten Lukas. Sie sind reale Wünsche, denen sich jeder von uns in seinem Leben ausgesetzt sieht: frei und unabhängig sein, über allen Dingen und anderen Menschen stehen, rücksichtslos leben können ohne Einschränkung, ohne Schmerz, ohne Leid – wie viel an täglichem Wahnsinn auf unserer Erde geht auf diese Versuchungen zurück! Versuchungen, die sich nicht erst in Extremsituationen zu Wort melden, sondern die uns bei jedem Schritt durch unseren menschlichen Alltag plötzlich ansprechen können. Bedenken wir den zeitlichen Rahmen der heutigen Evangelienstelle: Jesus hat die Extremsituation des 40-tägigen Fastens bereits hinter sich, als der Teufel ihn versuchen will. Dieser sucht ihn also mitten im Alltag auf, wenn das Leben wieder seinen normalen Gang geht. Hier, im Bereich des Unverdächtigen, unter dem Deckmantel des Harmlosen, will er den Menschensohn erwischen. Und das ist auch unsere eigene Grundsituation, wenn wir mit den Versuchungen konfrontiert werden. Der Teufel zeigt sich uns nicht als ein - wie der österreichische Schriftsteller Josef Roth einmal schrieb – „nach Schwefel stinkender Zerstörer", sondern er pflegt im Gegenteil sehr unspektakulär in Erscheinung zu treten und gleicht dabei gern einem scheinbar vernünftigen Einflüsterer, der uns zum Vorteil verhelfen will. Doch so wie Jesus können auch wir seinen Versuchungen nicht mit Vernunftargumenten widerstehen. Wir können ihnen nach dem Vorbild Jesu nur mit dem Glauben und mit der Schrift begegnen. Alle Klugheit der Welt würde nicht ausreichen, um uns Menschen aus der fundamentalen Schräglage unserer Existenz mit ihren unerfüllbaren Begierden zu holen – in der Tat haben das die größten Denker der Menschheit nicht geschafft. Es bedarf vielmehr jener mutigen, bedingungslosen und nicht mit Vernunft begründbaren Rückbindung an Gott als dem letztlich einzigen Grund, auf dem wir Menschen fest stehen können. Es bedarf des Glaubens.

Liebe Schwestern und Brüder! Wer über die Situation der Kirche in der Welt von heute realistisch nachdenken will, der wird um diese menschliche Schlüsselszene des heutigen Evangeliums nicht herumkommen. Die von Papst Benedikt XVI. einberufene Weltbischofssynode vom Oktober des vergangenen Jahres hat erkannt, dass es für die „neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens" in der Welt von heute keine einzelne Strategie, keine bestimmte Zauberformel gibt. Die Synode hat vielmehr festgehalten, dass die Neuevangelisierung ihren Sitz in der persönlichen Lebensdimension des Menschen hat. Diese persönliche Dimension findet ihre Wurzel im intimen Akt des Glaubens. So wie die Versuchung zum Bösen immer nur einen Steinwurf weit von uns entfernt ist, so ist daher auch die Neuevangelisierung in erster Linie nicht ein in unerreichbarer Ferne leuchtendes Werk organisatorischer Großtaten und kirchlicher Strukturveränderungen. Neuevangelisierung ist zuallererst der stille, ganz nah an einem selbst liegende Schritt zur Entsagung und zur eigenen Umkehr. Neuevangelisierung bedeutet, sich von einer gegenwärtig vorherrschenden Kultur der Verführbarkeit und des Egoismus abzuwenden und sich einer Kultur des Glaubens und der Demut zuzuwenden.

Und doch darf beim Blick auf die Innendimension des Menschen nicht übersehen werden, dass wir uns als Kirche in einer epochalen Übergangssituation befinden, die uns alle gemeinsam betrifft. Eine zunehmend entkirchlichte Gesellschaft, fehlender Priesternachwuchs, das damit verbundene Unvermögen, die Erwartungen teils noch sehr volkskirchlich geprägter Gemeinden zu erfüllen, und nicht zuletzt die Vergrößerung pastoraler Räume, die eine Veränderung der seelsorglichen Aufgaben mit sich bringt, gehören zu den großen Herausforderungen, die die Kirche heute dramatisch zu spüren bekommt. Verunsicherung bei den Gläubigen wie bei den Priestern, deren Arbeit nicht selten vom Gefühl der Überforderung und vergeblichen Bemühens begleitet ist, sind ein Zeichen dieser Zeit des Umbruchs. Doch vor allem eine Erfahrung muss uns als Kirche besonders schmerzen: Die Erfahrung, dass das Wort Gottes so viele Menschen in unserer Gesellschaft nicht mehr erreicht und im Umfeld einer zunehmenden Privatisierung des Religiösen der fatale Eindruck entsteht, Glaube, Kirche und Priestertum würden gar nicht mehr gebraucht.

In diesem „Jahr des Glaubens" möchte ich in Erinnerung an das 50-Jahr-Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils in diesem Fastenhirtenbrief auf ein Wort verweisen, das Albert dem Großen zugeschrieben wird. Es lautet: „Sehen, was ist; tun, was möglich ist; lieben, was ewig ist."

- Sehen, was ist: Die veränderten sozialen, kulturellen, politischen und religiösen Umbrüche unserer Zeit dürfen von uns nicht negiert werden, sondern sollen uns vielmehr zu einem Aufbruch ermutigen. Wenn wir die Dinge offenen Auges ansehen und angehen, unverkrampft und nüchtern, kann gerade in ihnen der Schlüssel zu großen Veränderungen liegen. Sehen wir in den Umbrüchen unserer Zeit die Chance auf einen Neubeginn!

- Tun, was möglich ist: Neuevangelisierung bedeutet immer Veränderung des eigenen Lebensstils. Sie betrifft unser persönliches Verhalten zum Mitmenschen, und sie betrifft unser Verhältnis zu Gott, zu Gebet, Gottesdienst und den Sakramenten. Neuevangelisierung betrifft die Notwendigkeit, die Vorbereitung auf die Taufe, die Firmung und die Eucharistie mit einer geeigneten Katechese zu begleiten – als Reaktion auf ein in unserer westlichen Welt immer stärker schwindendes Glaubenswissen. Sie bedeutet aber auch, die Beichte, das in unserer Gesellschaft so vergessene Sakrament, wieder heilbringend zu nutzen. Pflegen wir wieder das religiöse Leben in unseren Familien und Pfarrgemeinden!

- Lieben, was ewig ist: In ihrer Schlussbotschaft hat die Bischofssynode auf die dringende Aufgabe verwiesen, „die Frauen und Männer unserer Zeit zu Jesus, zur Begegnung mit ihm zu führen." Und sie verweist dabei auf die Worte von Papst Benedikt XVI., für den die Evangelisierung „eine neue Begegnung mit dem Herrn zu begünstigen hat, der allein unserem Leben einen tiefen Sinn verleiht und es mit Frieden erfüllt." Suchen wir wieder die Freundschaft mit Jesus!

Wenn wir diese drei Wegweisungen befolgen, dann werden wir ohne Angst vor der Realität der Welt, mit gesundem Sinn für das konkret Machbare und getragen von der persönlichen Liebe zu Gott den drei Versuchungen in der Wüste widerstehen. In vielem gleicht unsere Zeit der Wüste, die das Volk Israel vierzig Jahre lang durchwanderte – die 40-tägige Fastenzeit erinnert uns daran. Unser heutiger Weg als Kirche durch diese Wüste vertrockneten Glaubenslebens und gesellschaftlicher Brüche wird, so beschwerlich er auch sein mag, nicht ohne Wegzehrung stattfinden. Die Schlussbotschaft der Bischofssynode ermutigt uns: „Wir wissen, dass wir die Wüste durchqueren und das Wesentliche mitnehmen müssen: die Gabe des Geistes, die Begleitung durch Jesus, die Wahrheit seines Wortes, das eucharistische Brot, das uns nährt, die Brüderlichkeit der kirchlichen Gemeinschaft, die Dynamik der Nächstenliebe."

Schwestern und Brüder, denken wir an diese kostbare Wegzehrung, die wir als Christen auf unserer Lebensreise mitnehmen dürfen! Nähren wir uns davon, wenn wir uns in unserer Kirche in herausfordernder Zeit darum bemühen, im Glauben zu leben und Salz der Erde zu sein. Allen, die sich in unserer Diözese und ihren Pfarrgemeinden im Alltag darum bemühen und ihren Beitrag dazu leisten, sage ich als Bischof ein großes „Vergelt´s Gott"! Gleichzeitig lade ich Sie alle herzlich ein, die diesjährige Fastenaktion unserer Diözese wieder großzügig zu unterstützen und danke schon jetzt für Ihre Solidarität mit den Armen, diesmal besonders in Afrika, Indien und Brasilien.

Mit den besten Wünschen für eine fruchtbare Fastenzeit grüßt und segnet Sie

+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt 

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